DIE SAGE VON POLYPHEM. 439
dass Berge und Felsen widerhallen. Bissat entspringt und fälltin die Höhle unter die Schafe.
Depe Ghöz merkt, dass Bissat in der Höhle ist. Er setztsich in die Thüre, stemmt die Füsse auf die beiden Seiten der-selben und ruft: »Mein Glück soll untergehen; kommt, kleineWidder, einer nach dem anderen«. Jeden, der kommt, fasst eram Kopf. Bissat hatte einen Widder niedergeworfen, ge-suhlachtet und ihm das Fell abgezogen, doch Kopf und Schwanzdaran gelassen. Jetzt steckt er sich in die Haut und nähertsich dem Riesen. Dieser merkt, wer es ist, und spricht: »Duhast gewusst, dass ich durch mein Gesicht umkommen soll: ichwill dich an die Felsenwand schlagen«. Bissat gibt ihm denKopf des Widders in die Hand, und als der Riese eins derHörner fasst und in die Höhe hebt, bleibt das Fell zurück, undBissat springt zwischen den Beinen des Riesen hinaus. DepeGhöz wirft das Hörn zur Erde und fragt: »Bist du befreit?«Bissat antwortet: »Mein Gott hat mich befreit«.
Depe Ghöz reicht dem Bissat einen Ring und sagt: »Steckeihn an deinen Finger, so kann Pfeil und Schwert dich nichtmehr verletzen«. Bissat steckt ihn an. Der Riese geht aufihn los und will ihn mit einem Messer verwunden. Bissat ent-springt und bemerkt, dass der Ring wieder unter den Füssendes Riesen liegt. Dieser fragt abermals: »Bist du befreit?«Bissat antwortet: »Mein Gott hat mich befreit«.
Depe Ghöz spricht zu Bissat: »In jenem Gewölbe liegenmeine Schätze, geh hin, damit sie die Diener nicht nehmen;sie haben es versiegelt«. Der Held geht hin und sieht, dassGold und Silber darin aufgehäuft liegt. Über das Anschauender Schätze vergisst er sich selbst. Depe Ghöz fasst die Thüredes Gewölbes und spricht: »Ich werde einen solchen Schlagthun, dass du mit dem Gewölbe sollst vernichtet werden«.Bissat ruft Gott an; das Gewölbe zerreisst und sieben Thüren 11öfl'nen sich: durch eine geht Bissat heraus. Depe Ghöz stecktdie Hand ins Gewölbe und sprengt es, so dass es zusammen-stürzt. Er fragt wieder: »Bist du gerettet?« Bissat erwidert:»Mein Gott hat mich errettet«. Depe Ghöz spricht: »Für dichgibt es keinen Tod«.