DIE SAGE VON POLYPHEJI. 437
aus, aber er schleudert einen aus der Erde gerissenen Baumauf sie und tödtet damit fünfzig oder sechszig. Keiner kannvor ihm bestehen, und siebenmal werden sie von ihm in dieFlucht gejagt. Da senden sie einen aus ihrer Mitte zu ihm,um einen Vertrag abzuschliessen. Der Riese fordert täglichzwölf Menschen zu seiner Nahrung. »Auf diese Weise,« er-widern sie ihm, »würdest du bald unser Volk aufreiben: wirwollen dir täglich zwei Menschen und fünfhundert Schafe geben«.Depe Ghöz verlangt noch zwei Diener, die ihm seine Speisebraten sollen. Unter diesen Bedingungen wird der Vertragabgeschlossen. Wer vier, drei oder zwei Söhne hatte, gabeinen her.
Es trägt sich zu, dass ein Mann, der schon einen seinerSöhne geliefert hat, als die Reihe wiederum an ihn kommt,auch noch den zweiten, den einzigen Sohn, der ihm übrig ist,hingeben soll. Bissat, der Sohn des Chan Aruz, in seinerJugend von Löwen genährt, ist eben von einem Streifzug zu-rückgekommen. Die alte Mutter des Jünglings, der dem DepeGhöz soll geliefert werden, begibt sich zu Bissat in der Hoff-nung, dass er ihr einen Gefangenen schenken werde, den sie 9an der Stelle ihres Sohnes dem Riesen geben könne. Bissatsitzt hinter seinem goldenen Zeltschirm, als die Frau kommt.Sie erzählt die Gräuelthaten des unverwundbaren Riesen, derBissats eigenen Bruder umgebracht hat, und klagt ihm ihreNoth. Des Helden dunkle Augen füllen sich mit Thränen.»Die Zelte meines Bruders,« sagt er, »hat der Wütherich nieder-gerissen, seine besten Pferde weggeführt, seine stärksten Kameeleweggeschleppt, seine eingepferchten Schafe getödtet: er sollsterben. Meinen graubärtigen Vater hat er um den Sohn,meinen Bruder, weinen gemacht, meine Mutter mit dem weissenAngesicht hat er in Trauer versetzt: er soll sterben. DieserBruder war erhabener als die gegenüberliegenden schwarzenBerge, der schöne, beredte Bruder, er war der trefflichstemeines Geschlechts; dieser Bruder war die Kraft meines Leibes:von diesem Bruder, dem Licht meiner dunkeln Augen, bin ichgetrennt worden«. Er weint heftig, als er dieses spricht, undgibt der Frau einen Gefangenen, damit sie ihren Sohn befreie.