436 DIE SAGE V0N POLYPHEM.
Ata beigelegtes Werk enthält zwölf Erzählungen aus der Ge-schichte der Oghuzier, die in verschiedene Zeiten fallen. Indem Eingang wird Korkud nahe an die Zeit Muhameds gerücktund von ihm gesagt, er habe von dem erhabenen Gott Ein-gebungen empfangen, ohne seinen liath habe man nichts ge-than und nach seinen Worten immer gehandelt. Dass Korkudeine mythische Person war und mündliche Überlieferungenseiner Sammlung zu Grund lagen, kann man mit ziemlicherSicherheit annehmen. Über das Alter derselben lässt sich nichtsmit Gewissheit sagen. Diez ist der Meinung, dass es weit überdie Entstehung der osmanischen Dynastie hinausreiche, obgleichBeziehungen darauf in dem Buch vorkommen. Vielleicht ge-3 hört diese Abfassung in das dreizehnte oder vierzehnte Jahr-hundert. Die achte Erzählung mit der Überschrift »Wie Bissatden Depe Ghöz getödtet hat« ist von Diez aus einer Hand-schrift herausgegeben (Der neuentdeckte oghuzische Cyklopverglichen mit dem homerischen, 1815) und beschäftigt unshier allein.
Depe Ghöz, das heisst Scheitelauge, ist der Sohn eineshalbgöttlichen Wesen, den Schwanenjungfrauen der deutschenMythe vergleichbar, das ein oghuzischer Hirte an einer Quelle,wie es scheint im Bade, überrascht und bewältigt hat. DieErzeugung des Depe Ghöz bringt, wie die Jungfrau beim Weg-fliegen verkündigt, den Oghuziern Verderben. Er kommt unterseltsamen und widernatürlichen Umständen ins Leben und hateine menschliche Gestalt, aber ein Auge auf dem Scheitel. DerChan Aruz bringt ihn in seine Wohnung: der Amme, die ihnan ihre Brust legt, nimmt er schon beim dritten Zug das Leben.Als Knabe misshandelt er seine Gespielen auf das Grausamste.Aruz jagt ihn fort; da kommt seine göttliche Mutter, steckt ihmeinen Ring an den Pinger und spricht: »Kein Pfeil soll an dirhaften und kein Schwert deinen Leib verletzen«. Er wohntjetzt auf einem Berg in einer Felsenhöhle als Strassenräuber.Er fängt Menschen und verzehrt sie. Man schickt Leute gegenihn aus, aber vergeblich: er ist unverwundbar. Bald beginnter auch die Oghuzier, obgleich er durch seinen Vater von ihneiiabstammt, wegzuholen und zu verzehren. Sie ziehen gegen ihn