430 ME SAGE VOX POLYPHEM.
. Schwert durch die Brust stossen, aber ihn hält die Betrachtnuß-zurück, dass er und seine Gefährten nicht im Stande sind, denFels vor dem Eingang wegzuräumen. Als am folgenden Mor-gen der Kyklop abermals zwei von den Fremdlingen verzehrthat, hebt er das Felsstück von dem Eingang ohne Mühe weg,treibt die Herde hinaus und setzt es wieder vor, so dass dieFremdlinge in der Höhle eingeschlossen bleiben.
Odysseus bemerkt eine Keule von grünem Olivenholz, langund dick, wie der Mast eines zwanzigrudrigen Schiffes: derKyklop wollte sie, wenn sie ausgedörrt war, mit sich tragen.Odysseus haut sie zurecht, und die Gefährten glätten sie. Nach-dem er sie gespitzt und im Feuer gehärtet hat, birgt er sie imMist. Vier der Gefährten werden durch das Loos bestimmt,welche helfen sollen, dem Ungeheuer, wenn es schläft, den Pfahlim Auge herumzudrehen.
3 Abends kehrt der Kyklop wieder mit der Herde zurück:
diesmal treibt er sämmtliche Ziegen und Schafe in die Höhleund verschliesst sie. Abermals verzehrt er zwei von den Fremd-lingen, da nähert sich Odysseus schmeichelnd mit einer hölzernenKanne voll des köstlichen Weines, die der Kyklop mit Ent-zücken leert. Er verlangt einen zweiten Trunk und verheisstein Gastgeschenk dafür. Dreimal füllt ihm Odysseus das Ge-fäss. Als der Wein dem Kyklopen die Sinne umwölkt, sagtihm der Listige, er heisse Niemand, und verlangt das ver-sprochene Gastgeschenk. »Den Niemand verzehre ich zuletzt,und das soll das Gastgeschenk sein«, erwidert der Kyklop,taumelt und fällt in Schlaf. Jetzt wird der Olivenpfahl imFeuer angebrannt und die glühende Spitze dem Ungeheuer insAuge gestossen, während Odysseus den Stamm herumdreht.Wimpern und Brauen werden versengt, und das Blut quillt ausdem zerstörten Auge. Furchtbar brüllt Polyphem, und dieThäter springen zurück. Er reisst den Pfahl aus dem Auge,schleudert ihn fort und ruft mit Zetergeschrei die rings umher-wohnenden Kyklopen. Sie eilen herbei und um die Höhlestehend fragen sie, warum er sie in der Nacht mit seinem Ge-schrei aus dem Schlummer geweckt, ob ein Sterblicher ihm dieHerden geraubt oder ihn habe tödten wollen. »Niemand«, ant-