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4 (1887)
Seite
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DIE MYTHISCHE BEDEUTUNG DES WOLFES. 427

bei Kindern ein hervorragendes Zähnchen Stalder 2, 456. In-dessen ganz verschwunden ist das Wort auch nicht in seineruneigentlichen Bedeutung.

Hier nagt am Lorbeer guter That

Kein Neid mit seinem Wolfeszahn Gökingk 3, 7.

Vor dem Mann mit Kraft und List oder mit einem Wolfszahnund einem Fuchsschwanz hütet euch Klinger 11, 173. DerZahn, welcher andere Thiere verletzt, verletzt den eigenenGaumen, wenn überflüssige Länge und Spitze ihn zum soge-nannten Wolfszahn umgewandelt. J. Paul 6, 105.

Nicht oft werden im Mittelalter andere Thiere mit demMenschen verglichen und ihre Eigenschaften auf ihn übertragen,am ersten noch der mit dem Wolf verwandte Hund oder Fuchs.Der Gegensatz ruft sie wohl hervor; wir haben gesehen, dassin diesem Sinne, meist die biblischen Redensarten, das Schafeinen gutartigen, sanften Menschen bezeichnet. Dahin gehörtauch

swer under wolven schäf ist Freidank 67, 27.Und noch Logau sagt

böse leute mögen trotzen, fromme Christen stille leben:

Schafes wolle kummt in himmel, wolfes locken nur daneben 2. 1, 17.

Noch einige kann ich anführen,

[Walther], Reinmär, der Schriber, Biterolf

hänt gense wän,

so si den wolf

erkennent (erblicken) und weint üz den ziunen gän

Wartburger Krieg 19, 1316 Simrock.

des muots ein leu, der rasze ein wolf Helbing 15, 538. .

Die mythischen Beziehungen auf den Wolf erhielten sich

bis in das 13. Jahrhundert lebendig; von da blieben nur in

Sprichwörtern einzelne Spuren zurück. Im Wolfsgesang, einer 228

satirischen Schrift auf die Geistlichkeit aus der Reformationszeit

(Schade Satiren und Pasquille 3, 1113), werden umständlich

die bösen Eigenschaften des Wolfs aufgezählt, aber keine, die

seine mythische Natur bezeichnet.

Wilhelm Grimm.