422 DIE MYTHISCHE BEDEUTUNG DES WOLFES.
ihre wulfsklawen herfür reckt,
die muss man ihr abhawen Volkslied von 1628 bei Soltau 1, 472.
Tückische, wüthende Blicke werden wülvine blicke genannt:schon oben [S. 407] war von dem bedeutungsvollen Licht in denAugen des Wolfes die Rede.
er (der Verräther Genelun) tete wulvine blicke
Roland 51, 5. Stricker 2025.(Wolfhart) vil dicke wülvischen sach Dietleib 8941.
vil wolflich schiehe blicke
tet er gein der frien
Martina, gotes amien Martina 162°.
des keisers muot der wart scharf,
gein der megede er warf
siniu ougen harte dicke
in wolves schiehem blicke 183 b .er sieht (sendet) ouch die wolflichen blicke
Orendel (Augsb. 1512) 2687.die zornigen wolves blicke 1150.wizzent daz er sieht vil dickedie zormwolflichsten blicke 1162.
In einem serbischen Volksliede heisst es
Als Held Marko nun Zedren erreichte
Und im Divan vor den Sultan hintrat,
Blickten wildverworren seine Augen,
Wie der Wolf, der hungrig waldumherschweift.
Wolfsauge bedeutet noch heute eine raubgierige Gesinnung.22a Auch die Geberden überhaupt heissen wölfisch,
mit wulvinen gebasren
reizetes algemeine
den nit üf die vil reine Wernher Maria 189, 16.
Ich muss noch den eigenthümlichen Ausdruck wolves zanerklären. Der Wolf hat den weiten, gähnenden, unersättlichenRachen, womit er seine Beute verschlingen will, mit dem Teufelund der Hölle gemein (Deutsche Mythologie S. 948). SchonLactantius (Symposium 2, 255 Dufresnoy) lässt den Wolf ineinem Räthsel sagen:
dentibus insanis ego sum qui vinco bidentes (Schafe)sanguineas prredas quEerens victusque cruentosmulta cum rabie: vocem quoque tollere possum.