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4 (1887)
Seite
408
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408 ME MYTHISCHE BEDEUTUNG DES WOLFES.

erhalten. Berchtung kommt, nachdem sich die Wölfe entfernthaben, aus seinem Versteck hervor, erkennt eine höhere Macht,die über dem Kind waltet, und spricht: wärest du des tiuvelsbarn, du wterest von den wolven erstorben und vervarn. Ergibt ihm jetzt den Namen Wolfdieterich, nimmt es auf denArm und trägt es in die Wildnis zu einem Jäger, wie Faustulusden ausgesetzten Romulus fortträgt und auferzieht. Der Knabehat bei seiner Taufe ein seidenes Hemd empfangen, das ihnnicht bloss im Kampfe, auch gegen Wasser und Feuer schützt.Jedes Jahr soll er eines Mannes Stärke mehr erhalten undfünfzig Jahre leben. Schon dadurch ist er aus dem Kreis ge-wöhnlicher Helden herausgetreten. Er überragt bald andere209 Knaben im Wuchs und zeigt seine wilde, ungebändigte Natur.Den Jäger, der ihn auferzieht, rauft er, dass er entfliehen muss,und dessen Frau muss sich vor ihm verbergen, wie sich Fau-stulus und sein Weib der überlegenen Kraft der römischenZwillinge fügen. Als Berchtung ihn dann nach Konstantinopelbringt und Hugdieterich ihn liebkosen will, stösst er ihn mitdem Fusse weg. Berchtung muss ihn wieder auf seine Burghinwegführen, wohin auch, nach des Königs Tod, die Königin,auf Sabens Anstiften, von den zwei jüngeren Söhnen Verstössenwird, weil Wolfdieterich als ein uneheliches Kind keinen Theilan der Erbschaft haben könne. Wolfdieterich zieht aus undkommt bald mit geisterhaften Wesen in Berührung; er reiteteinsam in einer Wüste, da hört er einen furchtbaren Ruf undglaubt, es sei das Geschrei des Teufels. Er will ihn aufsuchenund gelangt an des Meeres Ufer, wo die Wellen an die Stein-wand schlagen; wahrscheinlich hatte er das Brausen für dasGeschrei des Teufels gehalten. Auf einem Blumenanger untereiner Linde schläft er kraftlos ein. Da steigt ein gräulichesMeerweib aus dem Wasser und nimmt dem Schlafenden seinSchwert. Als er erwacht, tritt sie heran und bietet ihm dreiKönigreiche an, wenn er sie zum Weib nehmen will. Er wei-gert sich, weil der Teufel zur Hochzeit kommen könnte. Dawirft sie die Schuppenhaut ab und ist das schönste Weib, wiedie Sonne leuchtend. Alles, was vom Meer bedeckt ist, stehtin ihrer Hand, und die Wassergeister sind ihr unterthan; sie