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4 (1887)
Seite
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THIERFABELN BEI DEN MEISTERSÄNGERN. 387

und solt auch fliehen das dritt stück,

war der alten weiber gross glück,was dann sinnreich ausgelegt wird; die letzte Warnung folgen-der Weise:

wan sie zu allen bösen Sachen

allmal gross glück darauss machen:

feilt eim ein kind zum fenster rauss

und feilt etwan ein Schenkel auss,

oder feilt einer vom gaul herab

und er feilt etwan ein arm ab,

sprechen »gross glück haben die allen,

dass keiner sich zu todt hat gefallen«.

Der König Tirol und sein Sohn, der Winsbeke und die Wins-bekin zeigen, wie im dreizehnten Jahrhundert der gebildete,aber der Überlieferung entfremdete, den eigenen Betrachtungenhingegebene Geist sich des Gegenstands bemächtigte, keineräthselhaften Sprüche vorbrachte, sondern ein umständliches Lehr-gedicht.

Gehört zu dem Wesen der Äsopischen Fabel eine dürftige,auf das Notwendigste beschränkte Erzählung und geht ihreganze Richtung nur auf Belehrung, wobei freilich aller Reizder Poesie schwindet, oder muss man darin nur ein erweitertesGleichnis erblicken, so hat man Recht, sie als etwas von demThiermärchen von Grund aus Verschiedenes zu betrachten.Wenn sie aber die Thiere auftreten, reden und handeln lässtund dabei ihr natürliches Wesen beachtet, so setzt sie dochdie Sage von ihnen voraus, die wiederum auf jenem eigen-thümlichen Verhältnis des Menschen zu den Thieren beruht,das nicht konnte erfunden werden, sondern wirklich vorhandensein musste. War bei dem Apolog die Nutzanwendung im 20voraus fertig, wie kommt es, dass sie nicht selten so unbe-deutend erscheint, manchmal wie bei den Haaren herbeigezogen?War doch die freie Erfindung durch nichts beschränkt undkonnte sich der Lehre genau anschliessen. Dennoch ist beiÄsop das Märchenhafte lange nicht genug unterdrückt und oftnoch mächtig genug. Wollte Äsop vor Zweizüngigkeit warnen,so durfte er die Fabel von dem Satyr und dem Menschen nichtdazu erfinden; denn dieser thut nichts Unrechtes, sondern han-

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