386 THIERFABELN BEI DEN MEISTERSÄNGERN.
beim Abschied über die geheimen Kräfte der Runen belehrtund Sprüche der Weisheit hinzufügt. Sie spricht darin nurdie Überlieferung aus, deren Kenntnis nicht einem jeden zuTheil ward, welche zu erlangen der Uneingeweihte trachteteund höher als Gold schätzte, ja sie damit erkaufte. Nur be-sonderer Gunst verdankte man ihre Mittheilung. Noch ein-flussreicher tritt die Sitte hervor in dem lateinischen Gediehtvon Rudlieb, das schon vor der Ausbildung der deutschenDichtung des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts entstandund von einem echt poetischen Geist durchdrungen ist. Alsder jugendliche Held, zu seinem früheren Herrn zurückzukehrenim Begriff ist, fragt ihn der König, dessen Diener er bishergewesen ist, ob er zum Abschiedsgeschenk Gold oder Lehrender Weisheit zu empfangen wünsche. Er zieht die letzterenvor, und nun ertheilt ihm der König in einsamem Gemachzwölf Lehren, an welche sich die nachherigen Schicksale Rud-liebs knüpfen. Es macht keinen Unterschied, wenn es beiBrünhild elf Lehren sind, und merkenswerth ist der ähnlicheInhalt einiger darunter: beide rathen die Rache zu verschiebenund sich vor Frauen zu hüten, zu denen man auf der Reisekommt. Acht Räthe sind es, die in der Hervararsaga der weiseHöfundr seinem Sohne Heidrekr ertheilt, aber dieser, wie inunserer Fabel der zweite Sohn des Löwen, geht darauf aus,sie zu vereiteln. Weitere Nachweisungen sind von Jacob Grimmin den lateinischen Gedichten des zehnten und elften Jahrhun-derts (S. 207. 208) und von Schmeller in Haupts Zeitschrift(1, S. 407 f.) gegeben. Ich will noch eine zufügen, die HansSachs (S. 3, 61. 62) überliefert:
19 in meiner jugend warnet mich
ein alter mann gar tugentlichmich zu hüten vor dreien stücken,wolt ich dass es mir solt geliieken,die doch wären gemein auf erden,weil ir jedes brächt vil geferden.das erst das war hurengebet,darfür solt ich mich hüten spet:das ander war auch in den tageneiner frommen frawen warsagen: