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4 (1887)
Seite
379
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THIERFABELN BEI DEN MEISTERSÄNGERN. 379

anthun: er ist von seinem Pferd abgestiegen, hat sich verstecktund begnügt sich damit, uns zu betrachten«. »Bleib zurück,liebes Kind,« ruft die Mutter, »vor seinem Haupt liegt einelange Stange (ein Pfeil); kommt die auf uns zu, so können wirdem Tod nicht entgehen; besser ist, wir laufen davon«. »Ichfliehe nicht«, spricht das Junge, »bevor er den Pfeil abschiesst,was mir auch geschehen mag.«

Dass hier die Warnung in den Mund einer Hirschkuhgelegt ist, kann man eine glückliche Änderung nicht nennen,da die Thiersage den Hirsch nicht zu den muthigen Thierenzählt, und doch wird ein Solches vorausgesetzt, da das jungeKalb schon gegen die gute Lehre den Trotz zeigt, der demSohn des Löwen angemessener ist. Auch der eigentlicheSchluss fehlt dieser lückenhaften Überlieferung: das ungehor-same Kind musste von dem Pfeil des Menschen getroffen werden.

In dem dritten Meistergesang ist es eine Wölfin, welchedie Stelle des alten Löwen einnimmt. Wenn diese ihr Jungesentlässt, führt sie es auf einen hohen Berg, zeigt ihm die ver-borgenen Waldwege und warnt es vor den Nachstellungen desJägers. »Hör mich an,« spricht sie, »wenn dir einer begegnet,der ein kurzes Holz trägt, das an der Spitze ein Löchlein hat(sie meint eine Büchse), so fall ihn nicht an, sondern laufeilends hinweg; denn erreicht er dich auf offenem Feld, so reisster dir ein Loch in den Pelz (trifft dich mit einer Kugel).Oder kommt in dem Hag ein Mann zu dir, der ein zweiKlafter langes Holz trägt, an dem ein Hölzlein vorn gebundenist (sie meint einen Schweinespiess), so flieh weit weg; sonstmacht er dir eine tiefe Wunde. Oder kommt einer daher, derein Holz trägt mit viel Zinken (einen Morgenstern?), den er-warte nicht: er haut dir damit grosse Scharten in den Leib,sticht und schneidet. Lauf immer zu und ruhe nicht, bis du 13in deiner Höhle bist. Kommt aber einer mit einem langenHolz (sie meint einen Lanzenspiess) hoffährtig durch den Waldgegangen, dem schleich nach in alle Ecken, bis er sich verirrt.Dann treibt ihn die Angst, sein Natürlichstes zu verrichten:er setzt sich nieder und lehnt die Lanze an eine Hecke. Jetztkannst du über ihn herfallen: pack ihn mit deinen scharfen