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4 (1887)
Seite
369
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THIERFABELN BEI DEN MEISTERSÄNGERN. 369

Fuchs, allein dieser Hauptträger der Thiersage tritt doch nichtin allen auf. Barachja sagt in der Vorrede, er habe den Fabelnanderer seine eigenen zugefügt. Was er unter jenen versteht,ist bei dem grösseren Theil leicht einzusehen; es sind die be-kannten Äsopischen, die etwa die Hälfte des Buches (es bestehtaus 108 Stücken) ausmachen. Unter den übrigen sind einige,die er aus anderen Quellen mag genommen haben, wie z. B. ider Mann in der Grube (Altdeutsche Wälder 1, S. 177) undder Maulesel, der nur von seinem Vater, dem Pferd, sprechenwill (Freidank S. LXXIX). Einige mögen aus verlorenenSammlungen stammen, doch die Extravaganten, wenn sie andersschon vorhanden waren, haben nichts dazu geliefert. Welcheaber nennt Barachja seine eigenen? Ich glaube diejenigen,welche sonst sich nicht nachweisen lassen und die Merkmalemündlicher Überlieferung an sich tragen. Mehrere dieser Artsind von entschiedenem Werth; eine davon anzuführen wirdhernach Gelegenheit sein. Auch zeigt sich nichts Verfälschtesdarin, und die Erzählung, wenn man einige künstliche Redens-arten abrechnet, ist ganz erträglich. Die Verwandtschaft mitdeutschen Sagen wird bestätigt nicht bloss durch die zu derSage von Reinhart Fuchs gehörigen Stücke (sie sind dortS. CCLXXX1II ausgehoben), sondern auch durch zwei anderemit Märchen, die noch bei uns umgehen, nah verwandte: dieeine von dem Kampf der Wespe und der Bienen mit dem Esel(S. 105 der lateinischen Übersetzung), die andere von dem Zaun-schlüpfer, der durch List König wird; man vergleiche die Haus-märchen No. 102. 171.

Nähere Untersuchungen sind noch nicht angestellt, inwie-fern das sechzehnte Jahrhundert, in welchem sich der Ansatz

»Jüdische Litteratur« in der Allgemeinen Encyklopädie von Ersch und GruberII 27, 433) sagt dagegen: »den vorhandenen Fabelschatz verarbeitete frei undergänzte Berachja hanakdan in Burgund um 1160«; es soll wohl 1260 stehen.J. Fürst in seiner Bibliotheca judaica (Leipzig 1851) 2, p. 110 nennt ihn»Berechja Krispia hanakdan, ben Natronai in val Drome in Burgund« undbemerkt dazu: »er blühte um 1260 in Burgund, war Punctator, Gesetz- undSittenlehrer, Fabeldichter und Übersetzer« . Um 1300 setzt ihn der unbe-deutende Artikel von O. Fr. Hartmann in der Encyclopädie von Ersch undGruber 1 9, 61. Ich verdanke Herrn Dr Richard Gosche diese Nachweisungen.

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