ZWEI THIERMÄRCHEN. 363
ZWEI THIERMÄRCHEN.
Zeitschrift für Deutsche Mythologie und Sittenkunde. Herausg. von J. W. Wolf.Erster Band. Göttingen, Dieterichsche Buchhandlung. 1853. 8°. S. 1—3.
KRIEG DER WESPEN UND ESEL.
Ei
iin Esel weidet an einem Hügel, die Bienen schwärmen lum ihn herum: auch eine Wespe fliegt heran nnd setzt sichin sein Ohr. Der Esel, als er ihre Stiche empfindet, geräth inWuth, schüttelt sich, schreit laut und rennt hin und her. End-lich ruft er dem Plagegeist zu: »hast du dich in den Höhlungenmeines Leibes versteckt, so komm heraus und kämpfe offen mitmir. Hast du Muth, so mögen die Bienenschwärme und dieSchar der Esel mit einander Krieg führen.« Es wird einKampf auf offenem Feld verabredet und der Tag bestimmt.Der Esel begibt sich zum Löwen und berichtet, was sich zu-getragen hat; dabei äussert er die Besorgnis, dass die Wespewieder in sein Ohr kriechen werde. Der Löwe ertheilt ihmden Rath, alle Öffnungen seines Leibes mit Riemen zu ver-schliessen; dann würden seine Feinde nichts gegen ihn aus-richten und er Sieger bleiben. Dieser Rath wird befolgt, undauf diese Weise geschützt, erscheinen die Esel auf demSchlachtfeld. Als die Wespen sehen, dass kein Weg mehroffen ist, um in den Feind zu dringen, so setzen sie sichunten an den Bäuchen der Thiere fest und peinigen sie nachKräften. Die Esel werfen sich auf die Wespen nieder, umsie zu erdrücken, aber dabei springen die Banden entzwei,womit die Zugänge verschlossen waren. Jetzt dringen dieWespen überall ein, beissen, stechen und quälen die Esel soheftig, dass diese rufen: »wir unterwerfen uns, wenn ihr unsnur wieder verlasst.«