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4 (1887)
Seite
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362 DER SWINEGEL.

Überlieferung erblicken wird, deren Alter sich nicht bestimmenlässt und deren Ursprung weit hinauf gehen kann. GlücklicherWeise kann ich den Beweis liefern. Der Hauptinhalt bestehtdarin, dass der hoffärtige Hase von dem trägen, aber listigenSchweinigel im Wettlauf besiegt wird. Ein wendisches Märchen(Haupt Volkslieder aus der Lausitz 2, 160, 1843) erzählt Fol-gendes. Der Fuchs kommt zu einem Teich und will da trinken:ein Frosch quakt ihn an, und der Fuchs droht: »geh weg, oderich verschlinge dich«. »Nicht so hochmüthig«, erwidert derFrosch, »ich bin hurtiger als du«. Der Fuchs lacht ihn aus383 und spricht: »wir wollen in die Stadt laufen, da wird es sichzeigen«. Der Fuchs kehrt sich um, und der Frosch springt inseinen Schwanz. Reinhard fängt nun an zu laufen; als er nahebei dem Thor ist, dreht er sich um und will sehen, ob der Froschnachkomme; in dem Augenblick springt dieser von dem Schwanzherunter und in das Thor hinein. Als der Fuchs sich wiederumgekehrt hat und in das Thor kommt, sitzt der Frosch schondort und ruft ihm zu: »bist du endlich da? Ich bin schon aufdem Heimweg und dachte, du würdest gar nicht kommen«.Niemand, der das Wesen der Überlieferung kennt, wird dieÜbereinstimmung und den gleichen Grund beider Märchenläugnen: dass die Nebenumstände verschieden sind, liegt indem Wesen der Sage. Sieht man von der anmuthigen humo-ristischen Darstellung des plattdeutschen Märchens ab, so ver-dient das wendische in einigen Stücken den Vorzug. Der Hasehat in der Thiersage eine untergeordnete Stelle und erscheintniemals übermüthig, wohl aber der schlaue Fuchs, und dassdieser von dem armseligen Frosch besiegt wird, bildet einenglücklichen Gegensatz, der viel ursprünglicher zu sein scheint.

Wilhelm Grimm.