ALBANESISCHE MÄRCHEN. 347
ALBANESISCHE MÄRCHEN. 377
Zeitschrift für Deutsche Mythologie und Sittenkunde. Herausg. von J. W. Wolf.Erster Band. Göttingen, Dieterichsche Buchhandlung. 1853. 8°. S. 377—381.
xxllmählich werden uns auch die Überlieferungen südöst-licher Völker bekannt. Die wallachischen Märchen, welche dieBrüder Arthur und Albert Schott gesammelt und bekannt ge-macht haben, sind ihres Gehaltes und der unverfälschten Auf-fassung wegen schätzbar und zeigen eine unabhängige Gemein-schaft mit den deutschen. An Ausführlichkeit und lebendigerDarstellung werden sie von den serbischen übertreffen, wovonWuk eine Übersetzung versprochen hat. Aber auch die indieser Zeitschrift von Staufe [S. 42 ff.] und Waldburg [S. 178 ff - .358 ff.] mitgetheilten Märchen aus der Bukowina sind alles Lobeswerth und können sich den serbischen an die Seite stellen; auchhier sollte eine vollständige Sammlung nicht lange auf sich wartenlassen. Wo kunstvolle, aus höherer Bildung hervorgegangeneDichtung sich der frei gewachsenen gegenüberstellt, da schrumpftdiese zusammen, etwa wie die indianischen Stämme in Amerikavor den eingewanderten europäischen sich zurückziehen und end-lich verschwinden. Man hat bemerkt, dass in serbischen Dich-tern, die Lesen und Schreiben gelernt haben, die poetischeKraft sich abschwächt und ihre Gedichte aufhören, bei demVolk Eindruck zu machen. Die Stände sind in jenen Länderngeschieden, aber nicht getrennt und bleiben in näherem Zu-sammenhang; darum tritt das Lückenhafte des Inhalts und dasKahle und Dürftige der Erzählung nicht so oft wie bei unshervor, wo das gemeine V T olk allein noch bewahrt, was vonden alten Überlieferungen übrig geblieben ist. Man hat sichgewöhnt zu glauben, dass die ärmliche, der Einwirkung leben- 378diger Phantasie entzogene Darstellung, wie wir sie so oft beiuns finden, den wahren Charakter des Märchens ausmache,