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4 (1887)
Seite
325
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ZUR GESCHICHTE DES REIMS. 325

reits überlebt hatte, als er durch Heinrich von Veldeke, beidem sich überhaupt der Wendepunkt entschied, unterdrückt 704ward. Von da an erscheint er nur in einzelnen gemilderten 184Ausnahmen, wie z. B. bei Wolfram; kein gebildeter Dichterwürde i: o, a: 6 gebunden haben. Damit war der alten Frei-heit die Spitze abgebrochen. Bei Gottfried von Strassburg ver-schwand er völlig, und ihm schlössen sich die kunstreichstenunter den übrigen Dichtern an. In der That zeigt sich jetzt eineReinheit des Reims, die an sich Bewunderung verdient und insolcher Vollendung nie wiederkehren wird. Konrad von Würz-burg erreichte den Gipfel und schwelgte in der Geschicklichkeit,womit er den reinen Reim in allen Verschlingungen spielenliess. Er war auch der Letzte; denn die bei ihrem Ziel ange-langte, fertig gewordene Kunst würde, wie alles, was seineBlüthe erreicht hat, von selbst allmählich abgewelkt sein. Sie sankaber schnell, da die zugleich herabgekommene Sprache sie nichtlänger auf dieser Höhe erhalten konnte. Bei dem rührendenReim, dem Gegensatz des ungenauen, ein ähnlicher Verlauf:auch hier war Heinrich von Veldeke der Erste, der Reimwörtervon gleicher Bedeutung auch in den Fällen ausschloss, woOtfried sie zugelassen hatte. Er fühlte nicht mehr den Grundder Statthaftigkeit, der darin lag, dass Hülfsverba, Pronominaund Partikeln erst in der Verbindung mit den Wörtern, vonwelchen sie abhängen, ihre volle Bedeutung und damit Ver-schiedenheit des Begriffs erlangen. Die folgenden Meisternahmen Veldekes Lehre an, und es befremdet schon, wennHartmann von Aue, der bei dem Beginn seiner Laufbahn sichnoch nicht so entschieden wie die anderen von dem Volks-mässigen abgewendet hatte, die alte Berechtigung noch einigeMale gelten lässt; Lachmann (zu Iwein 7438) nennt es einWagestück, was es nicht war. Substantiva, Adjectiva und Verbain völlig gleicher Bedeutung zu verbinden erlaubte sich keindeutscher Dichter des dreizehnten Jahrhunderts, der einiger-massen gebildet war, während französische, die an der Spitzestanden, darin nichts Fehlerhaftes erblickten. Aber in dem er-laubten rührenden Reim durfte man keine Unbeholfenheit, amwenigsten Verderbnis sehen: er hatte nur nicht den Schein der