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4 (1887)
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323
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ZUR GESCHICHTE DES REIMS. 323

nicht die Form der beiden Reimwörter, sondern ihre Bedeutungden Unterschied ausmacht, ist der Gipfel des Gleichlauts erreicht.

XXI.

Geschichtliche Fortbildung. Als die im Althoch-deutschen betonten Endigungen nach und nach sich abschwächtenund nicht mehr im Stand waren, eine Hebung zu tragen, wan-delten sich die zweisilbigen Reime, deren erste Silbe lang war,in klingende um. In reinhochdeutschen Gedichten gebührtihnen in der letzten Silbe unabänderlich ein unbetontes e: dieniederdeutschen, aber auch die mitteldeutschen, lassen danebendas i ihrer Endigungen zu. Ich habe dies Athis S. 13[=K1. Schr.IIIS. 225] nachgewiesen und will hier aus dem Passional noch einPaar entscheidende Beispiele anführen, wo deutsche Wörter wielönis 97, 47. rätis 105, 7. 150, 43. aftermälis 247, 60 auf dielateinischen Simeonis, maiestatis, materjälis reimen, auch perso-nälis: essentiälis 2, 33 ist hier gerecht. Bei dem einfachen Reim-paar trugen von nun an die beiden Zeilen mit klingendem Reimin der Regel nur drei Hebungen und bildeten dadurch einen Gegen-satz zu dem stumpfen, der entweder aus einer betonten oderaus zwei kurzen Silben bestand und vier Hebungen hatte. DerWechsel zwischen beiden Arten that einer gewissen Verweich-lichung Vorschub und gestattete dem Reim einen grösserenEinfluss, ja er veranlasste die Verletzung eines natürlichen Ge-setzes, indem die meisten Dichter bei dem klingenden gelegent-lich auch vier Hebungen zuliessen: am Ende des Jahrhunderts,bei Hugo von Trimberg, war daraus eine Regel geworden. Zu-erst wendete, wie Wackernagel (Altfranzösische Lieder S. 215)bemerkt, Veldeke den klingenden Reim nach fester Regel an, 703wiewohl man ihn auch schon in dem etwas früheren Gedicht 183von der heiligen Margareta, bei Friedrich von Hausen und demSpervogel anerkennen darf; der Dichter des Pilatus schliesstsich diesen an. Das Nibelungelied, Walther und Hildegundwehrten sich noch dagegen, Reinmar lässt ihn zu, Hartmannin seinen Liedern nur selten: in das Lied von Gudrun dranger als gleichberechtigt ein, und in der Titurelstrophe siegte ervollständig. Sonst war den erzählenden Gedichten mit ein-

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