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4 (1887)
Seite
320
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320 zuß GESCHICHTE DES REIMS.

abgetheilt werden. Die Strophe ist daher das Unterscheidende,und Wackernagel lässt sie folgerichtig auch erst von aussenkommen. Da sie aber meiner Meinung nach bei dem Gesangnicht konnte entbehrt werden, so ist wohl glaublich, dass jenecantilenae vulgares schon darin ihre Form gefunden hatten,nämlich in jenen einfachen, meist aus vier, manchmal aus sechsoder drei Zeilen bestehenden Absätzen, die beim Volkslied nach-weislich bis zum dreizehnten Jahrhundert fortgedauert haben.Ist doch die strophische Abtheilung in den eddischen Liedernnicht zu bezweifeln, die nur zuweilen die drei oder vier Zeilenüberschreitet, und man darf glauben, dass sie auch im Hilde-brandslied die ursprüngliche gewesen sei. Der Reim war darinan sich nicht nothwendig und durfte ganz fehlen, oder es konntedie Alliteration angewendet sein, ja beide neben einander. Findenwir doch in einzelnen Zeilen der ältesten alliterierenden Ge-dichte bereits den Reim. Beispiele davon hat Meyer (Geschichtedes deutschen Reims S. 915) aus deutschen, nordischen undangelsächsischen Denkmälern beigebracht*). Auch sind die zu-sammengehörigen, auf einander reimenden Eigennamen nebenanderen alliterierenden in Grimnismäl Str. 27. 29, auf die Sim-rock aufmerksam gemacht hat, in Erwägung zu ziehen. Es istnicht glaublich, dass die Alliteration plötzlich verschwundenund ebenso plötzlich der Reim als Gegensatz aufgekommen sei:das wäre der natürlichen Entwicklung ganz entgegen gewesen.Allmählich ist er vorgedrungen, erst in ungenauer Form als Asso-nanz, bis er die Oberhand und durch grössere Genauigkeit auchgrössere Macht erhielt. Die Alliteration war an sich zarterund edler, weil sie eine feinere Empfänglichkeit des Ohrs vor-

*) » In dem 15. Abschnitt von Andreas und Elene zeigen die ersten15 Zeilen Alliteration und Eeim, vgl. Einleitung S. XLIV; ferner einzelne ge-reimte Zeilen in dem Gedicht. Kelle in der Einleitung zu Otfried sprichtvon Keimen in Muspilli. S. Eröhner in Haupts Zeitschrift 11, S. 1. * [Hierzustelle ich noch zwei Zettelcitate:] * Über Alliteration in den MerseburgerFragmenten und das Metrische im Hildebrandslied s. Programm von WilhelmPütz Die Überreste deutscher Dichtung vor Einführung des Christenthums.Coblenz 1851 bei Bädeker. S. 3 älteste Spur des Reims in den MerseburgerFragmenten. Reste der Alliteration im Nibelungenliede, Inauguraldissertationvon 0. Vilmar. Marburg 1855. *