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4 (1887)
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ZUR GESCHICHTE DES REIMS. 309

inneren mitgerechnet, zweiundzwanzigmal sich wiederholt: dannfünf Zeilen auf o, sechs auf is. Der Verfasser strebt noch ananderen Stellen die schwierige Bedingung dieser Form zu er-füllen: in neunzehn Zeilen herrschen um und an, in einer an-deren Reihe wird is durchgeführt. Man kann in diesem Ge-dicht die Einwirkung der Tirade auf den leoninischen Hexa-meter erblicken; entschiedener finde ich sie in einem moralischenGedicht des heiligen Comgillus (Antiphonarium monasterii ben-chorensis S. 139), Abts des Klosters Benchor in Irland, der inder zweiten Hälfte des sechsten Jahrhunderts lebte. Es be-steht aus kurzzeiligen Tiraden von verschiedener, doch niemalsso bedeutender Länge, wie in den romanischen Gedichten, deren 691jede mit einem Refrain schliesst. Der Reim ist vorherrschend meinsilbig und mit geringen Abweichungen genau. Innerhalbeiner Tirade geht einige Male der Reimvocal in einen anderenüber, gleich in der ersten e in a, in anderen i in e, am in um,os in am. Die Form steht also der im Boethius bemerktensehr nahe. Es kommt aber noch eine Eigenthümlichkeit hinzu:die Anfangsbuchstaben der Tiraden enthalten gewöhnlich in derersten Zeile, manchmal in allen, das Alphabet nach der ge-wöhnlichen Ordnung, nur dass das griechische X in Christusauf V folgt. Daneben bemerke ich, dass W durch hy inHymnum ausgedrückt wird und wohl die angelsächsische, nochheute im englischen erhaltene Aussprache anzeigt; doch wird auchin einem Abschnitt der Altdeutschen Gespräche hu für w gesetzt(Nachtrag S. 11 [Kl. Sehr. Bd III S. 502]). Diese Anwendungdes Alphabets, womit man vielleicht dem Gedächtnis zu Hilfekommen wollte, findet sich auch bei anderen Gedichten, dieMeril (S. 121 Anm.) zusammenstellt. Das älteste darunter ist einPsalmus contra partem Donati (Meril S. 120, vgl. Bahr Suppl.2, S. 245), den der heilige Augustin im Jahr 393 gedichtet hat.Er wählte, wie er ausdrücklich sagt, diese Form, die er wäh-rend seines Aufenthalts in Rom und bei Ambrosius in Mailandmochte kennen gelernt haben, um dem gemeinen Volk und denUnunterrichteten verständlich zu sein. Von der Tirade weichtsie insofern ab, als die einzelnen Abschnitte darin bis auf ge-ringe Ausnahmen eine gleiche Zahl der Zeilen enthalten, sonst