308 ZUE GESCHICHTE DES REIMS.
doch sind jene häufiger. Schon diese Fortschritte, ohne dieausgebildetere Sprache in Anschlag zu bringen, führen darauf,das Rolandslied in der Gestalt, in der wir es kennen, für etwaein Jahrhundert jünger zu halten als den Boethius, wie alt auch690 seine Grundlage sein mag. Daneben erwähne ich die Bruch-170 stücke eines provenzalischen Gedichts auf die heilige Fides vonAgen an der Garonne, das Fauchet Origine de la langue etpoesie francoises aufbewahrt hat, der es ins elfte Jahrhundertsetzt. Man hat Alter und Echtheit ohne Grund verdächtigt,vgl. Diez Altromanische Denkmäler S. 109. Es besteht auszwei Tiraden, wovon die eine zweisilbige, die andere einsilbigeund genaue Reime hat. Hierauf kommen die Dichtungen, inwelchen der Umfang der Tiraden und damit die Anhäufungdes Reims gewachsen ist, wie das provenzalische Gedicht vondem Albigenserkrieg aus dem Anfang des dreizehnten Jahr-hunderts, Fierabras, die Aimonskinder, Alexander von Lambertli tors, Garin de Loherain, Guillaume d'Orange, Gerhard vonViane, Amis und Amiles, Jourdain de Blaivies und andere, woindessen der einsilbige Reim noch immer überwiegt: den zwei-silbigen finde ich am weitesten vorgedrungen in der Berte ausgrans pies. In der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhundertsversuchte Adenez le Roi, ohne Nachahmer zu finden, einenkünstlichen Wechsel: er liess auf jede Tirade mit einsilbigeneine andere mit zweisilbigen Reimen folgen, behielt aber darindenselben Vocal bei (Conrad Hofmann über ein Fragment desGuillaume d'Orange S. 5).
Lateinische Gedichte führen das Alter dieser Form, die nuraus der Volksdichtung dahin konnte übergangen sein, viel weiterhinauf. Sie kommt schon in der Mitte des dritten Jahrhundertsbei dem christlichen Dichter Commodianus zum Vorschein, indessen Schlussgedicht (Instructions S. 111. 120 Schurzfleisch)alle 26 Zeilen, aus welchen es besteht, auf o reimen. Ich mussauch des dem Tertullian fälschlich beigelegten Gedichts De iu-dicio domini Erwähnung thun, weil es doch immer in dassechste Jahrhundert gehören kann. Es besteht aus leoninischenHexametern, wovon die sechs ersten, dann wieder der achte biszum zwölften auf as ausgehen, so- dass derselbe Reim, den