ZUR GESCHICHTE DES REIMS. 307
silbige Reime, z. B. caro : Christo : nato : domino 1. humanae :raucae : divinae 3. angelicam : militiam : sanctam : symphoniam :variam : discordiam : harmoniam 3. imperium : romanum. agnos :lotos 4. adulando : flagellando 5 usw. Alliteration, caute : cane:caute : cane : conspira : Karole, welche Wörter hinter einanderstehen 1. Providentia : praeclara : praedestinavit 5. patri: pneu-mati und laudes : laudant 14.
Als das Ausserste kann die Einmischung des Reims mittenin die lateinische, wie in die deutsche Prosa betrachtet werden,wovon Wackernagel (Geschichte der deutschen Litteratur,S. 84.85)Beispiele gegeben hat, die verkehrteste Anwendung, die mandavon machen konnte.
XVIII.
Von diesem rohen Gebrauch des Reims wenden wir unswieder zurück zu der Betrachtung seiner naturgemässen Ent-wicklung. Ward die epische Dichtung nicht bloss gesungen,sondern auch gesprochen oder gelesen und erhielt der Inhaltderselben durch Fortbildung einen weiteren Umfang, so warVeranlassung vorhanden, die strophische Form aufzugeben. Beiden Romanen finden wir erzählende Dichtungen, die in Ab-schnitte von unbestimmter Länge getheilt sind; jeder derselbenhat in der Regel einen einzigen, besonderen Endreim, der durchalle Zeilen geht. Man gebrauchte dafür früher den AusdruckVers (Diez Altromanische Denkmäler S. 85—87); jetzt nenntman sie Tirades monorimes. Das provenzalische Gedicht vonBoethius, das man wohl mit Recht in den Beginn des zehntenJahrhunderts setzt, zeigt diese Form in ungleichen, kürzerenund längeren Tiraden. Der Reim darin ist einsilbig und oftgenau, kann aber auch als blosse Assonanz auf dem Vocalallein ruhen; in einem Abschnitt von sechs Zeilen (34—39)lässt sich die Hinneigung erblicken, zwei Silben zu binden,valor : emperador : onor : senor : genzor : doctor. Innerhalb einesAbschnitts folgen zuweilen verschiedene Reime auf einander,so ut ent ant 106—118, ix ent 137—150. In dem Rolandsliedsind die Tiraden von verschiedener, immer massiger Länge,und darin wechseln einsilbige, aber auch zweisilbige Reime;
20*