304 ZUR GESCHICHTE DES REIMS.
drei bei Meril S. 411—420). In dem aus 145 Strophen be-stehenden Gedicht von dem heiligen Alexius (Altdeutsche Blätter2, S. 273) und in der ebenfalls umfangreichen Visio FulibertiMeril S. 217—230) ist jede Strophe mit vier zweisilbigen ge-nauen Reimen ausgestattet. * Strophen in der mittellateinischenHofdichtung in Modus Carlemanninc, Modus florum usw. nach-gewiesen von Fröhner in Haupts Zeitschrift 11, S. 1—29.*
XVI.
Romanische Strophe. Das älteste Denkmal, das sichbei den Romanen erhalten hat, ist das mindestens ins neunteJahrhundert gehörige französische Lied auf die heilige Eulalia.Es lässt sich in sieben vierzeilige Strophen abtheilen, derenReim einsilbig und einige Male genau, meist aber frei ist, Maxi-miien: pagiens 12. 13 und element: empedementz 15. 16 kannman als zweisilbig betrachten; vielleicht steckt hier ein Fehler,da die vierte die einzige Strophe ist, wo der Sinn nicht schliesst,sondern in die folgende übergeht. Am Ende sind die Wortepar souue dementia zugefügt, die nicht eigentlich zu dem Ge-dicht gehören. Der Dichter sagt, er habe sich die Kirchen-lieder zum Vorbild genommen; ich beziehe das auf den geist-lichen Inhalt und die Melodie: die strophische Form aber konnte687 im Volkslied bekannt sein; vgl. F.Wolf, Lais S. 117. *Die Passion167 Christi vom Jahre 1000 (aus 10 Strophen) ist in der vierzeiligenStrophe abgefasst wie die Eulalia. Leodegar, ebenfalls aus demzehnten Jahrhundert, besteht aus Strophen mit drei Reimpaaren.Vgl. oben S. 97 [= S. 233]. * Der Zeit nach folgt das in nor-mannischer Mundart verfasste, wahrscheinlich in das elfte Jahr-hundert gehörige Lied auf Alexis (Haupts Zeitschrift 5, S. 302;vgl. die trefflichen Anmerkungen von Diez in den AltromanischenDenkmälern S. 114) von 125 Strophen. Diese sind in der Regelfünfzeilig, nur ein Paar Mal vierzeilig, eine ist dreisilbig; dasdoppelte Reimpaar war also nicht anwendbar, und jede Stropheist durchgereimt. Kaum ein Paar Mal ist der Reim genau,adaisement: gentement: belament: nient: talent 10. largent: gent:discumbrement: nien : talent 106, und mit geringer Abweichungleprus:palazinus:languerus:malendus:dolur 111. Der einsilbige