ZUR GESCHICHTE DES REIMS. 305
ist noch überwiegend, der zweisilbige bat am häufigsten in derersten Silbe ein e, so bele : nacele : acertes : converset: cesset 17.mudede : pedre : dunethe : frere : returnerent 24, und ähnlich 27.29. 48. 53. 76. 80. 85. 94. 98. 100. 113. 114. 116. 117. 119. 121.Doch kommen auch andere Vocale vor, cartre : alascet: pape :guardet: Esauie 75. cartre : barbe : messages : repairasses : recon-fortasses 78; vgl. 90. dutance:angeles:estranges:anames:grande122. peitrine : medisme : enhadithe : avoglie : vedisse 87. servisse:vide : replenithe : dire : medisme 123. apostolie : noise : goie : adiu-torie : tolget 101; vgl. 125. canuthe : retenude : eure : aparude :absoluthe 82. aventure : porteure : venude : feude : duret 89. fai-ture : figure : creature : aparude : fusse 97. In die Mitte des vier-zehnten Jahrhunderts gehört ein englisch-normannisches Volks-lied (P. Wolf über die Lais S. 443) von 92 Strophen mit vierZeilen, die aber hier kürzer sind; Str. 14 ist dreisilbig und Str. 87fünfzeilig. Jede ist durchgereimt, aber der einsilbige Reim zeigtsich bis auf ein Paar geringe Abweichungen genau; wo er alszweisilbig gelten kann, wie Str. 14. 15. 20. 36. 39. 55. 63. 68,nur mit e oder i in der ersten Silbe, ist er freier, wiewohlStr. 71 und 88 auch vollkommene Reime liefern. Schon dieangeführten Gedichte von dem neunten Jahrhundert an machenes wahrscheinlich, dass auch bei den Romanen die vierzeiligeStrophe die natürliche, älteste Form des Volksliedes war, undzwar mit den Verschiedenheiten, die wir bei der lateinischenbemerkt haben: dass sie auch für die älteste spanische Romanzegalt, hat F. Wolf (Spanische Romanzen in fliegenden BlätternS. 76) dargethan. In den künstlich gebauten Gesängen derTroubadours ist sie verschwunden, wie sie den deutschen Lieder-dichtern des dreizehnten Jahrhunderts zu einfach war: dochhat der älteste von jenen, Wilhelm von Poitiers (f 1127), nocheinige Versmasse angewendet, die aus jener können hervor-gegangen sein, worüber Wolf (Lais S. 88. 89) und Diez (Alt-romanische Denkmäler S. 109. 121) nachzusehen ist.
Den Gebrauch der Strophe in altenglischen Gedichten be- 688weisen die Hymnen von Godric saint, der im Jahr 1170 starb 168(Ritsons Bibliotheca poetica S. 2—4); sie sind vierzeilig mitzwei meist einsilbigen und genauen Reimpaaren.
W. GRIMM, KL. SOHRIFTBN. IV. 20