ZUR GESCHICHTE DES REIMS. 301
auf den Sieg Chlotars II über die Sachsen im Jahr 622 (Meril
5. 239), das bald hernach wird gedichtet sein, weist auf dieStrophe mit vier gleichen zweisilbigen Keimen. Bei Alcuinkommt die Strophe mit vier gleichen einsilbigen Reimen (Opera 68+2, S. 294 Froben) zum Vorschein. Hraban, der den Übergang 164des achten ins neunte Jahrhundzrt macht, scheint in seinenvierzeiligen Hymnen (Opera Colon. 1626. 6, 221—228), diesich der gewöhnlichen Form anschliessen (er hat auch einige
in lateinischen Versmassen gedichtet), die alterthümliche Weisedes Ambrosius zum Muster genommen zu haben. Wir findenbei dem Reim dieselben Abstufungen: die Strophe besteht auszwei Reimpaaren mit verschiedenem Reim, z. B. homo : natio.mortuam : machinam 5, 1, oder ist durchgereimt, z. B. plebium:novum : omnium : criminum 6, 1. Der Reim ist genau und un-genau : er kann in einem Reimpaar fehlen, z. B. optime : dirige.tibi: munera 5, 5. dedicant: expians. flumina : artifex 6, 2; ja esgibt Strophen, die ganz reimlos sind, z. B. munera: gentium,mysterio : gloriam 5, 2, oder coinquinet: portio. mansio : conferat
6, 4. Umsomehr fällt es auf, dass Hraban in einem grösserenGedicht De fide catholica (S. 209—213), das aus Strophen vondrei Reimpaaren besteht, den Reim und zwar den genauen(mit der geringen Ausnahme terminus : incendium 212f), dermanchmal zweisilbig, sogar dreisilbig ist, streng durchgeführthat. Man muss glauben, wofür auch andere Gründe sprechen(vgl. Bahr drittes Supplement S. 106), dass das Gedicht unter-geschoben und das Distichon am Schluss, das ihn als Verfassernennt, unecht sei. Ich will daraus den mit dem Hilfsverbumgebildeten rührenden Reim, der in den Hymnen Hrabans nichterscheint, anführen, ubi es : lapsus es 210h. pulsus est: mini-stratus est 211g. expulsus est : liberatus est 212e. confractaesunt: liberati sunt c. Walefried Strabo behandelt in ein PaarHymnen (Canisii lectiones antiquae II 3, 209. 225—227 Basnage)den Reim ebenso wie sein Lehrer Hraban. Er fehlt in einigenStrophen durchaus, in anderen halb, oder das doppelte Reim-paar ist angewendet: ich habe keine Strophe gefunden, worinein Reim durchgeführt wäre, wohl aber moribus : iucundissimus.gratia: ditissimus. Zu Hraban und Walefried gesellt sich noch