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4 (1887)
Seite
297
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ZUR GESCHICHTE DES REIMS. 297

XV.

Lateinische Strophe. Nichts scheint natürlicher alsdie Voraussetzung, dass die Dichter der lateinischen Kirchen-gesänge in der äusseren Form den Liedern des Volks gefolgtsind und dorther auch den Reim empfangen haben. Ob dieserschon in den saturnischen Versen, bei denen er in keinem Falleine Nothwendigkeit war, muss angenommen werden, mag da-hingestellt bleiben. Wir fragen, wann er zuerst in der ein-fachen, meist vierzeiligen Strophe des geistlichen Liedes sichzeige. Mit Absicht angewendet begegnen wir ihm zuerst beidem mailändischen Bischof Ambrosius, einem Gallier, der biszum Ende des vierten Jahrhunderts lebte. Ihm wird eine grosseAnzahl von Hymnen, beigelegt, unter welchen die echten zuunterscheiden schwer fällt. Die Benedictiner haben in demzweiten Theil seiner Werke (Paris 1860 S. 1219—1223) zwölfeausgewählt, welche durch alte Zeugnisse gesichert sind, gebenaber zu, dass unter den übrigen sich noch echte befinden können.Es wird am sichersten sein, aus jenen Beispiele zu wählen.Zuerst zwei Strophen ohne allen Reim, conditor : regis : tempora:fastidium I. concinat: concrepet: amor : sobria II. Strophen mit G81zwei reimlosen Zeilen und einem Reimpaar, clauserit: noctium. 161nesciat: reluceat IL luminis : virginis. conditor : ecclesiae XII.Zwei vollkommene Reimpaare, tempora : gratia. veritas : eccle-sias III. viris : dividis. dentibus : cibus V. gaudium : credentium.pocula:carminaXII. Dabei ein ungenauer Reim, respice: corrige.cadunt: solvitur I. Drei gleiche Reime und eine reimlose Zeile,redit: refunditur : conditur : revertitur I. gentium : virginis : sae-culum : deum IV. regat: corpore : ferveat: nesciat VII. pervia:gratia : permanet: saecula XII. die : preces : adiuves : solvimus ILprinceps: duces: milites: lumina VIII. Mit geringer Abweichungeiner Zeile auch einmal vier gleiche Reime, dedit: criminis :diluit: sustulit III. Endlich, wenn es nicht Zufall ist, einmalüberschlagende, lubrico : somnient. dolo : suscitet II. Man sieht,der Reim, der am häufigsten einsilbig ist, aber auch zweisilbig,ja dreisilbig sein kann, wird angestrebt, ist aber nicht noth-wendig. Die neunte, zehnte und elfte Hymne habe ich bei