276 ZUR GESCHICHTE DES REIMS.
heiligen Otmar (Pertz 2, S. 55) ist er eine Nothwendigkeit, undder zweisilbige sogar vorherrschend. Eckeharts I strenge, fastherbe Darstellung weist auf die frühere Zeit: wie viel zierlicher,anmuthiger und umständlicher drückt sich der Dichter Rudliebsaus, der doch nicht viel jünger ist. Auch Geralds Einflusskann nicht gross gewesen sein, darüber lässt sein Prolog (La-teinische Gedichte S. 59) keinen Zweifel: wie er sich auch amWaltharius mag betheiligt haben, hier, wo er selbst spricht,fügt er sich gänzlich der Form seiner Zeit, und in den zwei-undzwanzig an Erkanbald gerichteten Zeilen vermisst man nureinmal (Zeile 4) den Endreim, der aber durch Binnenreime hin-länglich ersetzt ist. Ich komme hernach noch auf ihn zurück.Bei Hrosuith (f 984), die sich der Zeit nach anschliesst,erscheint in dem Gedicht De gestis Othonum (* vgl. Ausgabevon Barack, Pfeiffer Germ. 3, S. 375 *) der Reim in vollerGeltung: der einsilbige ist Regel, der zweisilbige unhäufige Aus-nahme. Es wird genügen, wenn ich von hier an nur die Reim-wörter anführe, (a*) gestorum : tuorum 162, 13 Reuber. gentem:habentem 163, 37. perfectorum : virorum 168, 3.9. moerenti: do-lenti 164, 41. (p) habitantes: gentes 162, 9. plebi:fideli 164, 18.regem : fidelem 168, 35.
Die Zeit des Theodolus, der eine Ecloge von 312 Hexa-metern verfasste, ist ungewiss: man setzt sie in das Jahr 980.Da der Reim zwar durchgeführt, doch bis auf ein Paar Aus-nahmen (fraude puellari me non patiar superari 317) einsilbigist, so könnte sie älter sein und in den Anfang des Jahrhundertsgehören.
Das Gedicht De nominibus volucrum ferarum lignorumpiscium (Altdeutsche Blätter 1, S. 348—350. Haupts Zeitschrift5, S. 360. 361. *9, S. 388—398.*) setze ich an das Ende deszehnten Jahrhunderts; es besteht aus 53 Hexametern. Der662 Reim herrscht darin ebenso wie in den Gedichten des Bischofs142 Salomon: nur zwei Zeilen (wenn sie nicht verderbt sind) 11(* 1. orbigometra, wie bei Wigand steht *) und 30 haben keinenEndreim, wohl aber den Binnenreim: der einsilbige ist wie dort bisauf Zeile 3 genau, der zweisilbige ziemlich häufig und auchwohl ungenau, (a*) caeli: fideli 1. fringellus : amarellus 8. pau-