124 NOCHMALS ÜBER FREIDANK.
beachtet hat.« Das iann sich natürlich nur auf die metrischenGesetze beziehen, die für das einfache Reimpaar bei den gutenDichtern jener Zeit galten, und ein Missverständnis scheint mirnicht möglich. Dennoch hat ein unbefangener Forscher meinenWorten einen anderen Sinn zu geben gewusst. Ich soll be-hauptet haben, der Bau von Freidanks Versen sei strenger, alsdas Volk und selbst die höfischen Epiker und sonst Didactikerihn geübt, sei beinah ganz so streng als in der Lyrik geregelt.Er hat sogar Häkchen hinzugefügt, als seien das meine eigenenWorte und Gedanken und man könne sich auf die Richtigkeitseiner Angabe verlassen. Dass eine solche unverständige Über-treibung mir nicht in den Sinn gekommen ist, brauche ich kaumzu sagen. Nur wer nicht weiss dass die metrischen Gesetzedes Liedes und des einfachen Reimpaars verschieden sind, derkönnte auf den unglücklichen Einfall gerathen, diese nach jenen243 regeln zu wollen. Dazu kommt dass ich ausdrücklich bemerkthabe (Über Freidank S. 40 [oben S. 45]), die Übereinstimmung mitWalther trete in metrischer Beziehung so weit hervor als siebei der Verschiedenheit der Dichtungsart möglich sei.
Wilhelm G-rimm.
[Ich verweise auch hier wieder wie schon oben S. 116 aufBd II, S. 508—510.]