ZUR GESCHICHTE DES REIMS. 125
ZUR GESCHICHTE DES REIMS.
(Gelesen in der Königliehen Akademie der Wissenschaften am 7. März 1850.)
Abhandlungen der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin (phil.-hist.Klasse). 4°. 1852. S. 521—713. Einzeln: Göttingen bei Dieterich. S. 1—193.
l_)er gewöhnliche Reim fordert Verschiedenheit des An- 521lautes oder, um es allgemeiner auszudrücken, er beginnt erst *mit dem Vocal, der rührende dagegen setzt völlige Gleich-heit aller Buchstaben voraus; ein Reimwort oder auch beidedürfen bei ihm in Zusammensetzung mit einer Partikel, einemSubstantiv oder Adjectiv stehen: immer aber müssen sie ver-schiedene Bedeutung haben, und gleiche ist nur unter be-sonderen Bedingungen erlaubt.
Ich beginne die Betrachtung*) mit dem dreizehnten Jahr-hundert und habe Gründe, Walther und Freidank voranzustellen.Beide gebrauchen diesen Reim höchst selten. Jener bindet nachLachmanns zwar in den Text nicht aufgenommener, aber sehrwahrscheinlicher Vermuthung tsete (Verb.): taste (Subst.) 30, 10,dieser nur wirt (Subst.): wirt (Verb.), jedoch zweimal 87, 10.156, 20, * dinc : tegedinc 97, 18 neue Bearbeitung frezzen (gezzenLes.): vergezzen 138, 18.» Auffallender ist, dass beide die Zu-
*) [Auf eingeklebten Zetteln nennt W. Grimm im Handexemplar noch fol-gende Schriften, welche zu untersuchen seien: »Noch nachzusehen ist BruderPhilipp, Kindheit Christi, nach der Berliner Handschrift. — Über eine rhei-nische Chronik des 13. Jahrhunderts von Pertz, Abhandl. der Akademie 1855S. 131 f. — Die Reime des französischen Renard waren nachzusehen. — Einalter lateinischer Aesopus von einem gewissen Balbo. In Du Meril Poesiesinedites du moyen äge p. 213. 258. Der Herausgeber deutet S. 215 an, dasser nicht älter als das 12. Jahrhundert sein könne und auch nicht unter das13. herabgerückt werden dürfe. "Vgl. Benfey Gott. Anz. 1857 No. 189. SeineReime sind zu untersuchen. — Chronica praesulum et archepiscoporum ecclesiaeColoniensis wahrscheinlich von 1370, redigiert und später von D. Haun (f 1515)fortgesetzt, in den Annalen des histor. Vereins von D. Eckerz ediert. Cöln. Ztg.1857, No. 182. *