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4 (1887)
Seite
122
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122 NOCHMALS ÜBER FREIDANK.

Freidank sagt von Rom

wip und pfaffen lebent da wol,die zwei nieman schelten sol:der zweier zuht ist grcezer dadan ich wizze iender anderswä 154, 1.Eine Handschrift fügt hinzu

äne zuo Messine eine,

da sint wip kiusche und reine.

Es ist kein Grund vorhanden die Echtheit dieser Zeilenanzuzweifeln. Es folgt daraus dass Freidank von Rom nicht241 nach Apulien gieng, wo der Kaiser sein Heer sammelte, zu demer nicht gehörte, sondern nach Sicilien, dass er auch nicht mitdem Kaiser, der aus Otranto absegelte, sondern als blosserPilger mit dem Stab von Messina aus nach Syrien sich ein-schiffte. Walthers Ausruf lät mich an eime stabe gän! habeich schon auf den Pilgerstab bezogen.

In dem aus Sprichwörtern zusammengesetzten strophischenGedicht habe ich schon mehrere Stellen nachgewiesen (ZweiterNachtrag S. 12. 13 [oben S. 108. 109]), die aus der Bescheiden-heit genommen, aber entstellt sind. Ich will noch ein anderesBeispiel anführen, das auffallend genug ist.

swer sich also richet

daz er sich selbe stichet,

der hat sich niht wol gerochen,

der sich selbe hat gestochen 65, 8.

Freidank drückt den Gedanken noch in einer anderenFassung aus:

erst tump der richet sinen zorn,

da von er selbe wirt verlorn 64, 23.Das ist ein echtes Sprichwort aus dem Volk, wie etwa »wersich die Nase abschneidet verschimpft sein Angesicht« (Simrock7424). Ich habe es schon in der Einleitung (S. CI) nach derAuffassung Konrads von Würzburg mitgetheilt :

ich hcere wise liute jehen

und sie gemeine sprechen

daz sinen schaden rechen

vil maneger dicke welle,

der mit der räche velle

sich in grcezer ungemach troj. Krieg 13048.