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4 (1887)
Seite
121
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NOCHMALS ÜBER FREIDANK. 121

Es ist nicht glaublich dass ein Bürgerlicher sich selbst herab-setze.

est lützel namen äne schämen

wan herren unde frouwen namen 41, 8.

herre und frouwe war die Bezeichnung der Adelichen. Aufseine eigenen Zustände mag er hinweisen:

man eret leider riehen kneht

für arme herren äne reht 56, 27.

swä herren name ist äne guot, 240

daz machet dicke swseren muot 57, 10.

Was kümmerten ihn, war er nicht selbst in der Lage, dieseSorgen ? Der Bürgerliche der sich eine höhere Stellung erworbenhat wird auch nicht klagen über das Emporkommen geringer

Leute,

so swache liute werdent rieh,sost niht so unvertregelich 41, 8.

Auch nicht über den Nachtheil, den adeliche Kinder von derErziehung geringer Leute empfangen,

swä schalke (mit der Lesart swache) magezogen sint,da verderbent edeliu kint 49, 17.

Er wird auch um Mitleid für Kinder seines Standes, nicht füradeliche bitten,

man sol sich gerne erbarmen

über die edeln armen 49, 17.

Glaubt man, er habe diesen Spruch aus Hartmann entlehnt, woer auch vorkommt, warum suchte er gerade diesen aus, wenndadurch nicht seine eigene Gesinnung bezeichnet ward? Warumsagte er nicht: über die swachen armen? Ferner

swer tilgende hat derst wol geborn,

an tugent ist adel gar verlorn 54, 5.

edele zuht scheene unt jugent

witze richeit ere unt tugent

die wil der tot niht stsete län 176, 16.

Die Betrachtung in den beiden letzten Stellen, die einen weit-verbreiteten Spruch enthalten (vgl. Einleitung S. XCII), könntefreilich auch ein Bürgerlicher angestellt haben, ebenso natürlichaber sind sie im Munde eines Adelichen, der seine Standes-genossen näher kennen gelernt hat.