120 NOCHMALS ÜBER FREIDANK.
heisst, nennt sich selbst am Schluss desselben Meister Altswert,anderwärts auch Niemant (78, 30), und wird von den Leutenso genannt (95, 21. 110, 31). Ohne Zweifel ist der sonstnirgend vorkommende Name Altswert nicht sein wirklicher: er239 will, weil er, wie Freidank, die Sitten seiner Zeit straft, unbe-kannt bleiben. Er war, wie dieser, ein Süddeutscher und vonAdel. Er ermahnt
si senfte süeze und milte,
daz hoeret zuo dem schilte 2, 23.
Als er anlangt, ruft der Wächter
ir hänt sin lange zit begert,
dar umb sült ir im bieten zuht:
er ist von art ein edeliu fruht 35, 29.
Auch begleitet ihn ein Knecht (14, 8. 18, 11). Seine Geliebteist ein höhez wip 71, 20. Die Herausgeber vermuthen dass erin die Mitte des 15. Jahrhunderts gehöre: er ist mindestensein Jahrhundert älter; darauf führen die ziemlich reinen Reimeund die metrische Behandlung der Verse.
Freidank war ein höfischer Dichter, und die höfischeKunst lag zu seiner Zeit in den Händen des Adels: wo mannichts Bestimmtes weiss, streitet die Vermuthung immer füradelichen Stand; bei dem Winsbeke war der bairische Ritternachzuweisen. Wer sich ein wenig besinnt, wird nicht aufden Einfall gerathen, das Lehrgedicht sei ausschliesslich denBürgerlichen zugekommen: berühmte Adliche, wie Hartmannin seinen Büchlein und Lichtenstein im Frauenbuch, gefielensich darin, und ich habe schon (Über Freidank S. 17 [=obenS.22])ausgeführt wie allgemein die lehrhafte Richtung in jener Zeit war.Wir lernen Freidanks Stellung aus dem Gedicht selbst hinläng-lich kennen: der weite Kreis seiner Betrachtungen, die Einsichtin die öffentlichen Zustände, die Beurtheilung der Verhältnisse desPapstes in Rom, des Kaisers und des Sultans in Syrien, dieBemerkung dass er vieles verschweigen müsse, das alles zeigtdass er zu den höheren Ständen gehörte.
Allein ich bin auch einigen Sprüchen begegnet, die denadlichen Stand des Dichters anzeigen.. Ich habe früher nurdarauf hingewiesen, will mich aber jetzt näher darüber äussern.