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4 (1887)
Seite
116
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116 ÜBER FREIDANK. ZWEITER NACHTRAG.

zwar mit einem einzigen Schritt. Da er mit Lachmann an-nimmt, Walther sei in Deutschland und wahrscheinlich schonvor des Kaisers Ankunft in Palästina gestorben, so ist keineMöglichkeit mehr vorhanden, ihn und Freidank für eine Personzu halten, und alles, was ich vorbringe, fällt zusammen. Lach-manns Voraussetzung scheint mir so erzwungen als eine, undmein Gegner hätte schon deshalb sich nicht rühmen sollen, dasser mir das Einfache und Natürliche entgegenhalte, oder dass erdie alten Zeugnisse zu Ehren bringe, womit er nur die erbärm-liche Grabschrift meinen kann. Hier gerade will man ein altes,echtes und klares Zeugnis zu nichte machen. Ich werde michnie überreden lassen, dass Walthers Lied Allererst lebe ich mirwerde in Deutschland sei gedichtet worden und nur einer künst-lichen Versetzung in diese Lage seine Entstehung verdanke.Lachmanns Gründe machen keinen Eindruck auf mich, er meint,Walther habe darin auf die überwundene trübe Zeit deutenmüssen und die Empfindung wärmer und persönlicher aus-drücken. Aber es war noch Trübes genug zu beklagen, derBann nicht gelöst, sondern verstärkt, schon dieser Umstandmusste seine Freude dämpfen: und dann, wer kann die augen-blickliche Stimmung, in welcher ein Gedicht entstanden ist, be-rechnen? Ist aber das Lied in Syrien gedichtet, so ist es einestarke Stütze für meine Ansicht, und ich freue mich deshalbWackernagels und Simrocks Beistimmung. Mein Gegner mussfest bei Lachmanns Ansicht beharren, denn es kommen, wieich nachgewiesen habe, einige Ausdrücke des Liedes im Ab-schnitt von Akers vor, welche die diebische Elster nothwendigdort muss geholt haben.

[Vgl. die Erklärung Über Bernhart Freidank und die Zu-rechtweisung Kl. Sehr. Bd II, S. 508510.]