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4 (1887)
Seite
115
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ÜBER FREIDANK. ZWEITER NACHTRAG. 115

gezogen hat: das hässliche Thier steht da unverhüllt, der Ver-achtung preisgegeben. Leider habe ich ihm selbst zu seinemUrtheil die Worte geliefert: ich habe geäussert: »wenn ein sol-ches Abborgen wirklich stattgefunden hätte, welch ein armseliger,aller eigenen Mittel entblösster Geist muss er gewesen sein«.Das greift er auf und sagt: »Wenn das künftig das Urtheilüber ihn sein wird, so kann ich es nicht hindern«, setzt abermild hinzu: »obwohl es mich zu hart dünkt«, was in der Sachenichts ändert. Wird man glauben, dass der, welcher die Stellungdes Papstes und die Zustände in Rom, die Lage der Dinge inAkers, den seltsamen Verkehr des Kaisers mit dem Sultan soscharf und verständig beurtheilt, der die sittlichen Verhältnissein Deutschland so genau beobachtet hat, dass der keine eigenenGedanken gehabt und was er sonst vorbringt anderen abborgenmusste? Ist es denkbar, dass ein verständiger Mann sich dermühsamen und fruchtlosen Arbeit unterzogen habe, die gewöhn-liche Ausdrucksweise in der Sprache eines anderen mit pein-licher Aufmerksamkeit zu erforschen und sich einzuprägen?Konnte er sich damit schmücken oder geltend machen? Konnteer die Absicht haben, einen lyrischen Dichter in der einfachenForm eines Spruchgedichts nachzuahmen? Konnte derselbeMann, der als strenger Sittenrichter die Gebrechen der Zeitbitter tadelt, einem berühmten Zeitgenossen Gedanken nndSprache unverschämt entwenden? der so kühn spricht, ausFeigheit hinter einem falschen, gerade die Freiheit der Gedan-ken bezeichnenden Namen sich verstecken wollen? Heisst dasnicht zu viel Schande auf einen Einzigen häufen? Freidankselbst antwortet:

mine Sprüche sind nicht geladenmit lügen sünde schände schaden. 129, 18.Mich wundert, dass Pfeiffer dem geistesarmen Mann, der keinen 19Schritt allein zu gehen vermag, noch ein erzählendes Gedichtbeilegt, das Rudolf über seine eigenen erhebt; hier ist der Wa-gen aus dem Geleise gekommen.

17 Am Schluss noch eine Frage: warum hat mein Gegnersich die Mühe gegeben, eine Widerlegung auf diesem weitenUmweg zu versuchen? Er war bereits am Ziel angelangt, und

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