ÜBER FREIDANK. ZWEITER NACHTRAG. 109
6 swä ich weiz des wolves zant,
da wil ich hüeten miner haut,
daz er mich iht verwunde; 13
sin bizen swirt von gründe Freid. 137, 26,mit einem missglückten Zusatz,
swa ich erkenne den wolfes zant
in mines friundes munde,
da wil ich hüeten miner hant
daz er mich iht verwunde;
sin bizen swirt von gründe 11, 9.Man flieht den Wolfszahn, wo man ihn erblickt.
Dieses Gedicht kann vor 1230 gedichtet sein, aber auchnachher, und hat in jedem Fall die Sprüche aus Freidank ge-nommen. Weil darin ein ähnliches von Spervogel nachgeahmt,ja eine ganze Strophe von ihm eingerückt wird, so verfällt Pfeifferauf den unglücklichen Gedanken, dem alten Dichter, der um 1180in hohem Alter starb, das Ganze oder doch den grössten Theildavon beizulegen. Es fehlt dem Flickwerk gänzlich Gehalt,Geist und Anmuth, die uns in den echten Gedichten Spervogelserfreuen. Es wird nicht unter den Liedern des 12. Jahrhundertserscheinen, von denen wir Haupts Ausgabe erwarten.
11 Ich habe in der Einleitung S. xc—cv eine Reihe vonSprüchen und Sprichwörtern zusammengestellt, die auch beiandern Dichtern vorkommen. Was aus dem Winsbeke hierhergehörte, schien mir in den Anmerkungen einen passenden Platzzu erhalten: mein Gegner tadelt mich nicht bloss deshalb, erhält mir auch vor, dass er nicht die geringste Äusserung finde,ob und welcher von beiden den anderen ausgeschrieben habe.Wie konnte ich damals, wo ich noch glaubte, die Bescheidenheitsei in Syrien gedichtet, eine solche Frage aufwerfen? Mein Gegnerwird das nicht bedacht haben, ich will darüber hinweg sehen.Aber etwas anderes muss ich ihm zur Last legen, ich sagte dort:»ich lasse jetzt die volksmässigen, mit Freidank übereinstimmen-den Sprüche aus früheren, gleichzeitigen und späteren Denkmälernfolgen, wobei es meist deutlich, immer wenigstens wahrschein-lich ist, dass kein äusserer Zusammenhang wirkte: weder hatFreidank die früheren entlehnt, noch ist er Quelle der späterengewesen, sie sind vielmehr aus gemeinschaftlichem Boden in ver-