108 ÜBER FREIDANK. ZWEITER NACHTRAG.
unbekannte Verfasser hat diese Sprichwörter aus Frei dank ent-lehnt, bei dem man, wie eine Vergleichuug darthut, die bessereFassung findet. Ich muss einige Beispiele mehr ausheben.12 1 swä trunkene Hute und tobende sint,
swer die niht fürchtet, derst ein kint Freid. 94, 5,
ungeschickt verändert und erweitert,
swer da dröivwet, da man in niht fürchtet, derst ein kint,
und git so vil daz er sich eren roubet,
der ist an guoten sinnen worden blint, 3, 4—6,
wohl die einzige Stelle, worin behauptet wird, grosse Freigebig-keit könne der Ehre Schaden bringen.
2 swer schiltet wider schelten,
der wil mit schänden gelten Freid. 63, 2. 3.
Weil der Reim nicht zu brauchen war, wird ein Gemeinplatzaus dem Spruch gemacht,
swer schiltet wider schelten, derst niht wol gezogen 5, 11.
3 swer blinden winket, derst ein gouch,
mit stummen rünet, derst ez ouch Freicl. 54. 22,
verschlechtert,
swer blinden winket, derst ein kint,mit stummen rünet, derst verlorn 9, 2.
4 swer den tören flehen nmoz,
dem wirt selten sorgen buoz Freid. 83, 4.
Hier ist Freidank nicht verändert, hat aber einen unverständigenZusatz erhalten,
swer den toren flehen muoz
ze allen ziten umbe gruoz,
dem wirt selten sorgen buoz 9, 7.
Man kann in die Lage gerathen, von einem Thoren etwas er-bitten zu müssen, aber um einen Gruss wird niemand ihn an-flehen.
5 möhte ich minen willen hän,
ich wolde dem keiserz riche län Freid. 73, 22.
Der Gedanke wird abgeschwächt und schief ausgedrückt,
swannich volende minen muot,
des einen bin ich here,
sone ruoch ich waz der kaiser tuot 10, 7,