106 ÜBER FREIDANK. ZWEITER NACHTRAG.
nähme kam, wuchs Freidanks Ansehen und steigerte sich immermehr.
10 Vergleicht man die bei anderen vorkommenden, abermit Freidank zusammenhängenden Sprüche, so zeigt sich beiihm das Bessere und Ursprüngliche. Hartmann giebt keine Ge-legenheit dies nachzuweisen, weil die Übereinstimmung zu grossist, doch zu einem Spruch muss ich eine Bemerkung machen,weil Pfeiffer damit beweisen will, dass Freidank der sei, welcherentlehnt habe. Im Gregor nämlich heisst es:
wir haben daz von sime geböte,
swer umbe den andern bite,
da lces er sich selben mite 3400,aber auch im armen Heinrich, wie ich angeführt habe,
man seit er si sin selbes böte
und erloese sich da mite,
swer über des andern schulde bite 26,bei Freidank,
merket, swer für den ander bite,
sich selben loeset er da mite 39, 18.Pfeiffer sagt mit Recht, dass bitet stehen müsse. Der Spruchist in keiner alten Handschrift, nur in drei späteren erhalten,und man ist, auch wenn die Stelle im armen Heinriah nichtvorläge, berechtigt zu bessern,
man seit swer für den andern bite,
sich selben lcese er da mite.Merket, nu merket gebraucht Freidank noch an andern Stellen,60, 23. 123, 24. 129, 27. Warum Pfeiffer (wenn es nicht zu Frei-danks Ehre geschieht) es »ein armseliges Flickwort« nennt, weissich nicht: Walther sagt noch öfter nü merket, nü merkent, nühoeret und merket, und es scheint bei Sprichwörtern besondersangemessen, da sich auch der Winsbeke dessen bedient, 3, 1.27,1.31,1 und die Winsbekin 44, 2. Für einen biten soll »modernesein: wer hat je einen Ausdruck, der in jener Zeit vorkommt,weil er heute noch wie so viele andere in Gebrauch ist, »modern«genannt? Ausserdem ist er schon im Althochdeutschen (Graff 3,S. 54) zu finden.
Thomasin gegenüber ist Freidank unbedingt hü Vortheil,man sieht deutlich, dass jener nur geändert hat, um die Lehre