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4 (1887)
Seite
101
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ÜBER FREIDANK. ZWEITER NACHTRAG. 101

danc an. Sie gehört zwar in die Mitte des 14. Jahrhunderts,beruht aber auf einer guten Quelle. Da Rudolf auch den Walthermeister nennt, also der wichtigste Zeuge schwankt und demnachbeide Dichter auch hierin auf einer Linie stehen, so kann dieFrage auf sich beruhen.

4 Die Gründe, weshalb ich Freidank für keinen wirklichen,sondern für einen bedeutungsvollen, vom Dichter absichtlich an-genommenen Namen halte, schienen mir so einleuchtend, dassich keinen Widerspruch erwartete: mein Gegner weist mich auchnicht ganz damit ab, verlangt aber volle Sicherbeit. Forderter ein äusseres Zeugnis, so wird das schwer zu beschaffen sein;ich muss ihm also seine Zweifel lassen, fühle mich aber dadurchnicht beirrt. Freidank hat gewiss nicht ohne hinlänglichen Grundeinen anderen Namen angenommen, dem man doch gleich ansah,dass er ein erdichteter war; ich habe mich darüber schon inder Einleitung geäussert. Er deutet den Grund an, wenn er sagt:

seit ich die wärheit zaller zit,

so fand ich manegen widerstrit;

dar umbe rnuoz ich dicke gedagen.

man mac ze vil der wärheit sagen, (

und seitich halbes daz ich weiz,

so müeste ich büwen fremden kreiz 74, 2375, 1.

Er wird wie Walther vieles gesehen und erlebt haben. Der strengeRichter erblickt darin nur »ein feiges Selbstverstecken«. Die Be-scheidenheit konnte ihrer volksmässigen Natur wegen auch innicht höfische Kreise eindringen. Hielt es Walther seiner Liederwegen, die den Höfischen bestimmt waren, für nöthig den wahrenNamen zu verhüllen und nannte er sich deshalb von der Vogel-weide (Wolfram sagt bloss her Vogelweid, Wilhelm 286, 19), wieniemand zu seiner Zeit hiess, so ergibt sich eine neue Über-einstimmung zwischen beiden. Sind sie nur Eine Person, soscheint es natürlich, dass der Dichter bei Werken so verschiedenerArt zwei verschiedene, jedes Mal angemessene Namen wählte. Eswird niemand, ausser meinem Gegner, deshalb mir schuld geben,dass ich ihn zu einem Proteus mache, dessen immer neue Ge-staltenwandlung Homer so schön beschreibt. Durch Übertrei-bungen widerlegt man nicht.