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4 (1887)
Seite
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ÜBER FREIDANK. ZWEITER NACHTRAG. 99

aasgewichen, man hat auch wohl für das Klügste gehalten, zuthun als sei sie gar nicht vorhanden. Hat man Zweifel gehegt,wie das leicht möglich ist, so sind sie nicht an den Tag ge-kommen. Es ist mir daher lieb, dass ein geachteter Gegner(Franz Pfeiffer Zur deutschen Literaturgeschichte, drei Abhand-lungen) hervortritt, der ernstlich auf die Sache eingeht, seineGründe anführt und sich scharf und entschieden ausspricht. Esist mir auch lieb, dass er die Ergebnisse meiner Untersuchungensärnmtlich über Bord wirft, so ist nichts zu vermitteln, und ichkann mich ebenso entschieden ihm entgegenstellen. Ich brauchenur den Angriff abzuwehren, denn neue Forschungen finde ich 4nicht bei ihm. Ich werde nichts von dem was er vorbringtübergehen, aber eine andere Ordnung befolgen.

1 Die Grabschrift in Treviso soll echt sein und Freidankdort begraben liegen. Ich zweifle, dass irgendwo deutsche Grab-schriften aus dieser Zeit in Kirchen vorkommen, sie mussten inder Kirchensprache, d. h. lateinisch abgefasst sein. Sodann weisendie Sprachformen auf das 15. Jahrhundert. Mein Gegner hilftsich mit dem Ausruf, »als ob im 15. Jahrhundert jemand auchnur im Stande gewesen wäre ein älteres Schriftdenkmal oderwas immer sonst anders als in Sprachformen jener Zeit wieder-zugeben« ! Warum sollte ein gelehrter Mann nicht buchstäblichdrei Zeilen abgeschrieben haben, zumal diese überaus verständ-lichen? Ich glaube dass sie gerade so da standen, wie er sie mit-theilt. Man änderte die Sprache deutscher Werke, die veraltetwaren, das war nothwendig, wenn sie fortdauern sollten, aberhier war keine Veranlassung dazu, und die drei Zeilen wären,in der alten Form noch verständlich gewesen, hye leit Freydanckist Roheit, nicht alte Kunst: solche Verse, denen alle Senkungenfehlen, waren schon im Anfang des Jahrhunderts nicht häufigund kommen um das Jahr 1240, wo die Grabschrift soll ab-gefasst sein, nicht mehr vor; ich wenigstens habe keinen bemerkt.Wie jemand, der nur einiges Gefühl für das Schickliche hat,die zweite Zeile, »er liegt da gegen seinen Willen, ohne seinzuthun (on all sein danck)«, in einer Grabschrift vorbringen kann,begreift man nicht, sie enthält aber eine alberne Anwendungeines Spruches aus der Bescheidenheit.

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