ÜBER FREIDANK. NACHTRAG. 97
Sie giengen leer aus, weil die dort versammelten Fürsten soedle Sitte zeigten, dass Leopold von Ostreich allein hättegeben müssen, wenn er nicht da Gast gewesen wäre. Das istalles ironisch ausgedrückt, und so ist auch die EntschuldigungLeopolds gemeint, die ebenso für die Übrigen hätte geltenmüssen, weil sie, wie er, da Gäste waren; vielleicht hat sie dersparsame Leopold allein ausgesprochen, hovebasre war sie nicht,denn bei Artus machte die Abwesenheit aus seinem Reich keinenUnterschied, Artus was des landes gast: siner koste iedoch daniht gebrast Parz. 775, 29, und Erek konnte in dieser Lage nurnicht so reichlich geben, als er wünschte, aber Artus half ihmaus 2261—2269. Das andere Lied Vil meneger mich berihtet(S. 107) kann noch weniger angeführt werden. Dass Walther 261in Ostreich lebte, als er es dichtete, bezweifelt niemand, und 5dass hie auf Ostreich zu beziehen ist und er damals andere,ihm noch unbekannte Länder frömdiu nennt, versteht sich vonselbst. Sagt er doch im Alter
124, 8 liut unde lant, da ich von kinde bin erzogen,die sint mir frömde reht als ob ez si gelogen.
Endlich soll der Reim 34, 18 verwarren : pfarren, als »ein her-vorstechender Zug landschaftlichen Vocalismus, bedeutend insGewicht fallen«. Allein dieser Reim weist nicht ausschliesslichauf Ostreich, sondern auch auf das südwestliche Schwaben,denn ich habe ihn bei Hug von Langenstein (Martina 223 c ),der in dem Breisgau zu Haus war, wieder gefunden. Schwabenhalte ich nach einigen Ausdrücken, die freilich noch keine Ge-wissheit geben können (Einleitung S. xli), für das .GeburtslandFreidanks.
W. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. IV.