96 ÜBER FREIDANK. NACHTRAG.
14, 38 Allererst lebe ich mir werde,sit min sündic ouge sihtdaz here lant und ouch die erdeder man vil der eren giht.mirst geschehen des ich ie bat,ich bin komen an die statda got memiischlichen trat.
Die Übereinstimmung der einzelnen Ausdrücke mit Freidankhabe ich schon in der Einleitung S. Oxxix nachgewiesen. Dasheilige Grab, dessen Erwähnung sonst nicht fehlen würde, hat260 Walther so wenig gesehen als Freidank, vermuthlich weil beide4 nicht zu den Kämpfenden gehörten. Freidank sagt sich zumTrost:
63, 17 für sünden nie niht senfter wartdan über mer ein reiniu vart;swer niht das here grap gesiht,sin Ion ist deste minre niht.
Ich will noch einen streitigen Punkt berühren. Waltherhatte, wie wir von ihm selbst wissen, in Ostreich seine ersteJugend zugebracht und dort seine Kunst wahrscheinlich vonReinmar erlernt. Er harrte aber an dem Hofe des HerzogsLeopold nicht aus, und wenn er auch einige Male nach Wienzurückkehrte, so geschah es niemals auf längere Zeit, in spä-teren Jahren gar nicht mehr. Er scheint dagegen eine natür-liche Anhänglichkeit zu den schwäbischen Kaisern gefühlt zuhaben. Von Ostreich aus begab er sich zu Philipp, und wenner auch nicht bei ihm blieb, weil er sich über ihn zu beklagenhatte, so sehen wir ihn doch hernach wieder in Verbindung mitFriedrich II, dem er schon zu Dank verpflichtet war (84, 30),bevor er ein Lehen von ihm erhalten hatte. Möglich dass ervon Geburt ein Östreicher war, aber es ist erst zu erweisen:die beiden Gedichte, die man anführt, vermögen das nicht. Indem einen, ohnehin nicht ganz klaren, das Lachmann früheranders aufgefasst hatte, lässt Walther die fahrenden Sänger vondem Tag zu Nürnberg berichten,
84, 19 die sehen mir, ir malhen schieden danne here:unser heimschen fürsten sin so hovebiere,daz Liupolt eine müeste geben, wan der ein gast da wsere.