ÜBER FREIDANK. NÄCHTRAG. 95
gebt mir den Stab des Alters in die Hand, der meine schwan-kenden Schritte stützt: das würde mit dem zugleich ausge-sprochenen Vorsatz in unvereinbarem Widerspruch stehen. Ichbin über den Sinn nicht zweifelhaft, Walther sagt »lasst michden Pilgerstab ergreifen«. Er hat die Absicht, dem Kaiser,seinem Lehnsherrn, der ihm geneigt war und dem er den Kreuz-zug angerathen hatte (10, 17), zu folgen. Zu einer solchen ge-fahrvollen, für einen Bejahrten doppelt beschwerlichen Fahrtüber das Meer war ein Entschluss und guter Muth nöthig.Walther hatte schon vorher den Wunsch danach ausgedrückt 259und die mit Helm, Panzer, Schild und geweihtem Schwert ge- 3rüsteten Kitter ermahnt mitzuziehen. Er ruft dann aus (125, 4)wolte got, wasr ich der sigenünfte wert! Wäre ich würdig, andem Siege Theil zu nehmen! Er meint, das Heil, das darauserwachse, könne auch ein Söldner mit seinem Sper erlangenund schliesst mit der Wiederholung seines Wunsches,
125, 9 möht ich die lieben reise gevaren über se,
so wolte ich denne singen wol, und memer mer ouwe.
Es standen Hindernisse entgegen, die wir nicht kennen, viel-leicht war er, was Wackernagel (zu Simrock 2, 196) vermuthet,bei unverhehlter Armuth (125, 5) nicht im Stand, die Aus-rüstung zu beschaffen: es können aber noch andere Gründe ihnzurückgehalten haben. Er fasst jetzt den Entschluss, als Pilgeroder Waller mitzugehen, und sagt, man solle ihn den Stab indie Hand nehmen lassen, der bei einer solchen Fahrt gebräuch-lich war und burdo, roman. bourdon hiess; Nachweisungen dar-über findet man bei Ducange. Wernher vom Niederrhein sagt
33, 12 du salt zu sente Jacobe varin
mit dinir schirpen und mit dime stave,undi vort zum heligm grave.
Als sein Vorsatz feststand, dichtete er das Kreuzfahrerlied (S. 76),dessen Zeit schon die wiederholte Klage über den Tod, der denMenschen in Sünden finde (77, 4. 5), bezeichnet. In dem fol-genden Jahr zog er dann mit dem Kaiser, und in Syrien ent-stand das Kreuzlied, in welchem er sich der erlangten werde-keit freut: