70 ÜBER FREIDANK.
ich vor ir stän und enweiz wer ich bin. 65, 5—11. Schon
Isidor sagt Lib. sententiar. 1, 27 erunt autem quatuor ordinesin judicio und so auch in einem Gedicht der Vorauer Hand-schrift; vgl. Diemer zu 102, 14. Sodann gehört noch hierhereine Stelle aus einem Beispiel Strickers, die in Lachmanns Ab-handlung über den Eingang des Parzivals S. 5 mitgetheilt wird,und die eine verschiedene Auffassung enthält. Danach ist beidem jüngsten Gericht ein Viertel der Menschen der Hölle un-abwendbar verfallen, und zwar auf dreifachem Wege. Erstlichdie im Unglauben verharren: sodann die verzweifeln, sich fürverloren halten und keine Hilfe suchen: endlich die auf Gottzu grosses Vertrauen setzen, die sich nämlich darauf verlassen,dass er ihnen, wie sie immer leben, das Himmelreich öffnenwerde, weil Christus die Busse für sie übernommen habe. Dieseletzte ist die dritte Strasse, die Freidank nicht näher bezeichnet:aber auf das, was Stricker sagt, geht hinaus, was in dem Ge-dicht der Handschrift o vorkommt, diu dritte (sträze) ist, swersündet üf gedingen und troestet sich unstaster jugent. Schadedass der Renner 20877'—20889 nur von dem Wege zum Himmel-reich redet, indem er Freidanks Worte 66, 13—20 umschreibt.66, 20. Der alles was er hat hingibt und selbst von Almosen^ebt. 67, 6. 7. Ich beharre bei meiner Erklärung und ver-werfe die erkünstelte, die Benecke im Wörterbuch S. 254 b vor-bringt, »durch -Zaubersprüche kann man nie glühendes Eisenbesprechen, dass jedermann es anfassen kann, ohne dadurchverbrannt zu werden.« Es ist ja hier von der Kraft der Zauber-sprüche die Rede, nicht von ihrer Unzulänglichkeit; isen ist der
391 Nominativ. 67, 19—22. Derselbe Gedanke in der Strophe
63 eines unbekannten Dichters (MSHag. 3, 440 b ).
Der tiuvel ist ein lügensere
und ist doch da bi vil gewsere,
der im gedienet, daz er deme nimmer ungelonet lät.
mit willen kan er dienst vergelten:
daz tuont die kargen herren selten,
die vergezzent maneges dienstes, des man in gedienet hat.
des entuot der tiuvel niht:
swie gar er si ein boese wiht,
er Ion et doch in allen,