ÜBER FREIDANK. 39
136, 12 siht für das richtige ensiht der ersten Ordnung. 362136, 13 wo A das schwierige getagen hat und die Handschriften uder zweiten Ordnung, die das Wort nicht verstanden, immeretwas anders vorbringen, zeigt es ein unverständliches lagen.138, 6 steht das weniger beglaubigte ist dem besseren wasrenach. 141, 20 kommt die metrisch schon unzulässige Formstorchen vor. 142, 10 swenne statt swä gegen A und alleübrigen Handschriften habe ich mit Recht zurückgestellt. Esist gar nichts aus diesem Bruchstück zu gewinnen.
In Hattemers Denkmälern des Mittelalters 1, S. 421 wirdaus einer Handschrift der Stiftsbibliothek zu Sanct Gallen eineeinzelne Stelle angeführt, welche zwei Sprüche aus Freidank(110, 21. 22. 84, 6. 7) enthält; bei dem zweiten fehlen die beidenReimwörter. Die Handschrift soll angeblich in das neunte Jahr-hundert gehören: das ist schon der Sprachformen wegen ganzunmöglich, aber sie mag doch aus dem Anfang des dreizehntensein. Der Text weicht von dem bekannten nicht ab und istnur insoweit schlechter, als sich in die ei-ste Zeile selbes fälsch-lich eingedrängt hat.
VIII.
Gegen meine Vermuthung, dass hinter den Namen Walthervon der Vogelweide und Freidank ein und derselbe Dichtersich verberge, habe ich den von der gleich in die Augen fallen-den Verschiedenheit beider Gedichte genommenen Einwand,den einzigen, der Gewicht hat, gleich anfänglich selbst mir ge-macht, aber er scheint mir entkräftet durch den natürlichenAbstand zwischen kunstreichen Liedern, die zum Gesang be-stimmt sind, und einem die Gegenwart ernst und hart angreifen-den, grossentheils aus Sprichwörtern zusammengesetzten, ineinfachen Reimpaaren abgefassten Werk, das gelesen ward.Wo zeigt sich Freidank in Gedanken, Sprache und GesinnungWalthers unwürdig? Was unterscheidet sie beide anders, alsder äussere Standpunkt, und was hindert einen beweglichen,nicht an Eine Form sich bindenden Geist diesen oder jenennach Wohlgefallen einzunehmen? Hier redet der Dichter schlicht,volksmässig, wie es sein Zweck fordert, dort mit dem Schwung