ÜBEK FREIDANK. 37
28" »Der libet aufs vnordetlicher libe
dem' wil eyn sundt der andern zu schibe.«
Sichtbar entstellt, das Lateinische lautet: Cum quis illicito sesesupponit ainori Hie sensus veniet ex sensu deteriori.
30 b eim boesen giftigen mansol man legen pin an.
Qui colubrum suadet emittere dira venena Illum si sequitur nonmirum congrua pena.
In der Wolfenbüttler Handschrift, die ich 33 bezeichnethabe, finde ich einiges, was sonst nicht vorkommt.
Bl. 110 b ich mide vische manegen tac,
so ich ir niht gehaben (1. haben) mac.120 b »darümb lafs dich lieb nit vber gen
and gedenck daz du ir mügst vor gesten
wiltu aber ye ein lieb haben
so sweig vnd lafs dich nit vberladen.«
Angerückt ist dieser Spruch an 99, 19. Der Mangel an Vers-mass und der ungenaue Reim zeigen die Unechtheit an. Daspasst für Bernhart Freidank, und ich glaube, dass er aus diesem,den die Handschrift 33 kennt, hierher gerathen ist.
VII.
Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I den Staufervon Jacob Grimm 1844 wird S. 113 gesagt »einen AbstandWalthers und Freidanks aus ihrer Spracheigenthümlichkeit dar-zuthun fällt schwer, da von beiden wir nicht Text genug voruns haben, Freidank aber bei Zusammenstellung schon über-lieferter Sprüche leicht Ausdrücke und Wendungen behielt,die nicht einmal in seiner Mundart vorhanden waren. Es kommthinzu, dass seine Bescheidenheit nicht in ihrer echten Gestaltaufbewahrt und auf die jüngeren mehr unvollständigen als inter- 361polierten Abschriften kein Verlass ist; die wenigen gerade auch 33in unsere Münchner lateinische Sammlung S. 110 b aufgenommnenund daraus in Docens Miscellaneen 2, S. 195. 196 abgedrucktenSprüche gewähren älteste Urkunde.« Ich kann dem nicht bei-stimmen. Zwar ist, wie ich gezeigt habe, die alte Ordnungnicht mehr herzustellen und in ein Paar einzelnen Sprüchen