32 ÜBER FREIDANK.
diu noch unverbunden stat,wände si nieman enhätder sie gebinden künde,mo si bluoten begunde.
Zu der Stelle aus der Minnenlehre Heinzeleins von Konstanzbemerke ich, dass auch Kirchhof in Wendunmut (Frankf. 1581)S. 145" dieses Sprichwort, doch mit anderer Wendung anführt,
Lass auss dem Hof führn deinen MistMit Vortheil -weil du Schultheiss bist,
Aber doch bauw zuvor ein Hauss
Der Mist kompt hernach auch hinauss.
Es ist kein Grund vorhanden, das Zeugnis dieser Stellenzu verwerfen, und der Schluss ergibt sich von selbst (vgl. Ein-leitung S. xxxi), dass wir Freidanks Werk nicht mehr voll-ständig besitzen. Der Verlust eines beträchtlichen Theils istnicht wahrscheinlich, schon deshalb nicht, weil in der bedeuten-den Zahl von Sprüchen, die Hug im Renner dem Freidankausdrücklich beilegt, nicht ein einziger*vorkommt, der noch un-bekannt wäre.
VI.
Von den seit 1834 aufgefundenen und mir zugänglich ge-wordenen Handschriften Freidanks werde ich bei der neuenAusgabe Nachricht geben: hier berühre ich nur die, welchebisher noch nicht bekannte Stellen enthalten. Mittheilungen ausder Karlsruher Handschrift machte Mone (Anz. 4, S. 57—60),die mich zu einigen Bemerkungen (Göttinger Anzeigen 1835 St. 45[= Kl. Sehr. Bd. II, S. 467]) veranlassten; er hatte über hundertZeilen ausgehoben, die in meiner Ausgabe fehlen sollen, die aberdarin stehen. Eigene Einsicht in die Handschrift, die ich derGrossherzoglichen Bibliothek verdanke, macht es mir möglich,genau nachzuweisen, was sie bisher Unbekanntes gewährt.
356 23 hänt zwene herren Einen knelit,
28 er dient in beden selten reht.
Vielleicht nur eine Entstellung von 50, 6. Die Kürzung rehtfür rehte an dieser Stelle ist für Freidank auffallend, doch vgl.unten 934: vielleicht ist auch hier zu lesen beden niht ze reht.