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4 (1887)
Seite
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ÜBER FREIDANK. 27

hat: spot 8, 491 zeigt. dass er mit dem bisher bekanntenFreidank nichts gemein habe, braucht demnach wohl kaum er-wähnt zu werden: umsoweniger als die von Seifried angeführtenstellen sich des älteren Freidanks unwürdig zeigen.« Wie esscheint kannte Seifried das Spruchgedicht nur aus der Über-arbeitung Bernharts, die des alten Gedichts edle Haltungherabgewürdigt und den Ausdruck vergröbert, zugleich aberdem überlieferten Namen den eigenen zur Unterscheidung bei-gesetzt hatte. Gieng doch der bedeutungsvolle Name auf andereGedichte dieser Art über: ein dieser Zeit zugehöriges, das nureinzelne Stellen aus der Bescheidenheit aufgenommen hat, nenntsich der minne Fridanc (Docen Mise. 2, S. 172, vgl. Lachmannzu Walther S. 128). Ja ein Spruchgedicht, von welchem MonesAnzeiger 3, S. 183 Nachricht gibt, ist überschrieben daz buochdaz her Fridanc getihtet hat, ohne dass das Geringste darin vonihm vorkäme.

Ich kann noch nähere Auskunft über Bernharts Werkgeben. In Mones Anzeiger 1838 S. 367 370 wird eine aufder Bibliothek zu Innsbruck befindliche Papierhandschrift vomJahr 1430 beschrieben und angedeutet dass sich darin auchSprüche von Freidank Bernhardus befänden. Der Gefälligkeitdes Hrn Dr Adolf Pichler daselbst verdanke ich nähere Nach-richt und eine Abschrift der hierher gehörigen Stellen; zugleicher Zeit war Hr Joseph Diemer, Mitglied der kaiserlichenAkademie zu Wien, so gütig, mir von einer anderen Papier-handschrift, welche dieselbe Zusammenstellung von Sprüchenenthielt, eine Abschrift mitzutheilen. Die Sprüche aus Freidankstehen nicht neben einander, sondern zerstreut zwischen anderenvon Seneca, Salomon, Jeremias, Paulus usw.; es sind folgende:

BERNHARDUS 351

1 »Seyt der tod niemandes schont 33

Wer sol daii die weit lieb habenDie weit selten yemand lontOb du es reht wild besinnen.«

Ich glaube es ist zu lesen

Sit der tot niemannes schonetund diu weit selten ieman lonet,