ÜBER FREIDANK. 25
antworten. Aber zu der Zeit, mit der ich abschliesse, im Aus-gang des dreizehnten Jahrhunderts, stieg Freidanks Ansehenimmer mehr: man legte ihm die gemeinere Ansicht bei und sahin ihm einen Genossen. Boner rückte eine nicht geringe An-zahl seiner Sprüche aus der Bescheidenheit in seine Fabeln,ohne ihn ein einziges Mal zu nennen. Selbst in den Schwaben-spiegel (s. unten zu 54, 4. 5) hatte schon eine Stelle Ein-gang gefunden. Einzelne Sprüche dienten im vierzehnten Jahr-hundert als Inschriften in dem liathhaus zu Erfurt (LedebursArchiv für Geschichtskunde in Preussen 14, S. 175.176). Hugvon Trimberg, dem es an praktischem Blick und Lebendigkeitnicht fehlt, der aber die ganze Welt belehren, richten undstrafen will und dabei, wie er selbst sagt, seines Herzens Segelvom Winde planlos treiben lässt, hat nicht Worte genug zuFreidanks Preis. Gleichzeitig zwischen 1295—1298 dichteteschon, wie Hug, in vorgerückten Jahren Seifried Helbelingsein lehrhaftes Büchlein, in welchem wir abermals Beziehungenauf Freidank finden. Es tritt hier eine besondere Frage ein,weshalb ich bei ihm etwas länger verweilen und die einzelnenStellen sämmtlich anführen muss.
(a) I, 250 swer esel niht erkennet,
der sehe in bi den oren.
also ist dem tören,
der stellet sich nach siner art.
(b) II, 147 da über sprach her Fridanc 349
einen sprach niht ze lanc, 21
[er sprach] »dicke worden ist ze hoengetwungen dienst, geribeniu schoen.«
Und nochmals
VI, 46 getwungener dienst, geribeniu schoendicke worden ist ze hcen.
(c) VI, 186 ez sprach her Bernhart Fridanc
»zwiu sol der riehen witewen lat (lade Geldkiste)
an daz si destme bitel hat?
ir groz guot wol füegen kan
daz sie nimt ein junger man.
für ir alte runzen
git si im silberpunzen: