24 ÜBER FREIDANK.
ir sanc, als ich iiich bescheide. si hänt gesungen von demveim, den grünt hänt si verläzen: üf kezzels gründe gät minkunst. Sie haben nur die Oberfläche berührt, er holt die Ge-danken aus der Tiefe des Grundes und verleiht der Dichtungerst Gehalt. Die Worte zuo vergoltern kleide erklärt Ettmüllerals einen höhnischen Hinblick darauf, dass jene Dichter Kleider
1
für ihren Gesang als Bezahlung genommen hätten: gewiss mitUnrecht, denn es ist nicht glaublich dass Wolfram und Reinmarsich würden erniedrigt haben, eine solche Gabe anzunehmen,die noch der spätere Buwenburg verachtet, MS. 2, 181" swergetragener kleider gert, der ist niht rninnesanges wert, undGeltar klagt MS. 2, 119" so ist mir so not nach alter wät dazich niht von frouwen singe: mir wtern vier kappen lieber danneein krenzelin. Walther, auf den jene Worte Frauenlobs alleingehen, erklärt sich gerade dagegen, wenn er (63, 3) sagt dasser getragene wät von niemand als von seiner Geliebten an-nehmen würde, und meint bildlich damit ihre schöne Gestalt,den reinen lip. So gilt auch bei Frauenlob das goldgezierteKleid für die äussere glänzende Form des Gedichts. Was erus durch veim bezeichnet, setzt ein anderer Spruch (S. 120)20 ausser Zweifel, swer der materjen kleit e gap von pfelle, samit,rieh gewant, durchblüemet ende unde urhap mit Sprüchen ganz,fin, riebe erkant: danc habe sin herze und ouch sin sin. kumtaber der materjen suoch, kleid ichs in ein getriuwez tuoch.Ich glaube, er will damit seine Stellung zu Walther bezeichnen.Entschädigt Frauenlob durch Sinn und Verstand seinerSprüche für das Gekünstelte des Ausdrucks, so tritt bei anderendie Lehre in höchster Schwerfälligkeit hervor, wie bei Regen-boge, oder in voller Dürre, wie in Hugo von Langensteinskläglichem Gedicht von der heiligen Martina. Wollte ich nochin das vierzehnte Jahrhundert blicken, so müsste ich hier vorallen den österreichischen Teichner nennen, dessen Sprnchge-dichte 1 ) sich zur Aufgabe machen, meist eine einzelne, an dieSpitze gesetzte moralische Frage in ermüdender Weise zu be-
') Man lernt sie schon hinlänglich aus dem Liedersaal kennen, wo(gleich 1, 395—502) eine ziemliehe Anzahl abgedruckt ist; nur der jedes Malam Sehluss vorgebrachte Name muss hergestellt werden.