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4 (1887)
Seite
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ÜBER FREIDANK. 7

merksainkeit, wenn man Gründe dafür beibringen kann. Injener Grabschrift heisstes: der alwege sprach und nie sanc,angenommen, sie sei echt, d. h. aus dem dreizehnten Jahrhundert,so beweist sie weiter nichts, als dass der Verfasser derselbenkeine lyrische Gedichte von Freidank kannte, und es ist auchnicht glaublich, dass er solche unter diesem Namen habe aus-gehen lassen. Ausserdem scheint für jene Zeit sprechen und ssssino-en nicht ausreichend einen Gegensatz auszudrücken: sagt 5doch Frauenlob (Ettmüller S. 114. 115) swaz ie gesanc Reinmärund der von Eschenbach, swaz ie gesprach der von der Vogel-weide, und das wird niemand so verstehen, als habe Wolframwie Reinmar nur Lieder gesungen, Walther Erzählungen oderSpruchgedichte vorgetragen. Heinzelein von Konstanz äussertin der Minnenlehre her Fridanc der ie seite und sanc staeteclichdie wärheit, was auch nichts als ein allgemeiner Ausdruck ist.[S. oben S. 2.] Hätten nur die Colmarischen Annalen einPaar Wortemehr zugefügt! Doch rhythmi teutonici gratiosi bezeichnen eherlyrische Gedichte als die Sprüche der Bescheidenheit, die fürden Vortrag eines fahrenden Sängers wenig geeignet scheinen.Wenn die Worte nun auf die Lieder Walthers zu beziehenwären? Was Rudolf von Ems im Alexander sagt, der sinne-riche Fridanc, dem äne valschen wanc elliu rede volge jach,swaz er in diutscher zungen sprach, hilft auch nicht weiter:der sinnerlche heisst er zumal in Zusammenhang mit dem, wasnoch vorhergeht, als Dichter der Bescheidenheit: die letzte Zeilekönnte man verstehen, als habe er auch in anderer, etwa inlateinischer oder romanischer Sprache gedichtet, wo seine Redenicht so fliessend gewesen sei: aber das ist doch sehr unwahr-scheinlich ; dagegen könnte sie allerdings darauf hindeuten, dassdas Spruchgedicht nicht sein einziges Werk gewesen sei.

Die Abschnitte von Rom und Akers unterscheiden sichdurch die geschichtliche Haltung so bestimmt von der lehrhaftenWeise des übrigen grösseren Theils, dass ich schon bei derHeransgabe der Bescheidenheit auf den Gedanken gerathen war,sie seien Stücke aus einem anderen Werk und hier nur ein-geschoben. Ich bin seitdem in dieser Ansicht bestärkt worden.Es ist schon auffallend, dass nur wenige Handschriften den Ab-schnitt von Akers kennen, nur A von der ersten und Bb von