6 ÜBER FRELDANK.
herumziehender Sänger war, auch darin dem berühmten Waltherähnlich. Beide klagen über mangelnde Freigebigkeit der Fürsten332 (Anmerkungen zu Freidank S. 87, 6. 7 und 8). Eine durch4 Schedel bewahrte Nachricht von einem Grabmal Freidanks undeiner Inschrift darauf habe ich der Forschung nicht vorenthaltenwollen, sondern in Haupts Zeitschrift 1, S. 30. 31 bekannt ge-macht, wo auch die Gründe auseinandergesetzt sind, weshalbich glaube, dass man sie nicht auf unseren Dichter beziehendarf. Das ist nicht der gute Stil des dreizehnten Jahrhunderts.Die erste Zeile entbehrt des Versmasses und lautet roh: hie litFridanc, kläglich ist der Zusatz gar an allen sinen danc: Veldekesagt (MS. 1, 20") wan ez got ni gebot daz dehein man gernesolte sterben. Wie zierlich gedacht, wie reinlich ausgedrückt istder Spruch auf dem Schwerte Konrads von Wintersteten.
Von den Lebensumständen des Dichters scheint keinerseiner Zeitgenossen etwas gewusst zu haben; uns bleibt nichtsübrig, als einzelne Andeutungen aus dem eigenen Werk zu-sammenzulesen. Selbst über seinen Stand, ob er von Adel waroder nicht, hatte man keine Gewissheit. Bei einigen heisst ermeister, bei anderen her: ich habe die Stellen in der Einleitungzur Bescheidenheit S. xxxix. XL nachgewiesen und trage nurTanhausers hofzuht (Haupts Zeitschrift 6, S. 488), die von Ett-müller herausgegebenen sechs Briefe 9, 32, Helbling 2, 147 undTeichner (Dresden. Handschr. No. 67, Bl. 5 b . 18") nach, wo erimmer her genannt wird. Der Älteste von denen, die ihn nennen,Rudolf von Ems, bezeichnet ihn zweimal als meister, einmalohne Zusatz: aber er nennt auch (Orlens 4481) den Walthermeister, obgleich dieser gewiss zum Adel gehörte. Rudolf be-kümmerte sich schwerlich um Freidanks Lebensverhältnisseoder, was am wahrscheinlichsten ist, er wusste nichts Bestimmtes.Ebenso schwankt Hugo von Trimberg, der ihm doch die höchsteVerehrung zollt, zwischen her und meister; hätte er etwasNäheres von ihm sagen können, er würde, zumal bei seinerRedseligkeit, es sicher nicht zurückgehalten haben.
IL
Die mehrmals angeregte Frage, ob Freidank noch andereGedichte als die Bescheidenheit verfasst habe, verdient erst Auf-