ÜBER FREIDANK.
ÜBER FREIDANK. m.
(Gelesen in der Königliehen Akademie der Wissenschaften am 15. März 1849.)
Abhandlungen der König]. Akademie der Wissenschaften zu Berlin (phil.-hist.Klasse). 4°. 1850. S. 331—413. Separatabzug S. 1—85.
I.
J_/er Name, den unser Dichter sich selbst beilegt, wirdvon W. Wackernagel im Glossar zu seinem Lesebuch durchFreidenker übersetzt, gewiss richtig, wenn man von dem Neben-begriff absieht, der diesem Ausdruck gegenwärtig anhängt, jenerZeit aber fremd war. Damals wird niemand über die Bedeutungdes gewählten, auf den Inhalt des Gedichts bezüglichen Namensin Zweifel gewesen sein, so wenig als jemand in Frauenlob, indem Unverzagten oder in dem Freudeleeren (Haupts Zeitschr. 5,S. 243. 7, S. 530) und anderen den eigentlichen Namen desDichters sah. Noch mehr, da es kein Geschlecht gab, das vonder Vogelweide hiess, so mag auch Walther einen dichterischenNamen angenommen haben. Daher erklärt sich warum er, wieder Spervogel, der auch nur diesen Dichternamen (MS. 2, 226 b )vorbringt, von sich in der dritten Person redet (18, 6 f.) undsich selbst (119, 12) min trütgeselle von der Vogelweide an-redet, von dem er Beistand im Gesang fordert: oder warum erdem, den man ä von der Vogelweide nande (108, 7), eine ArtGrabschrift dichtet; es ist nicht nöthig diese Lieder anderenbeizulegen. Freidank als Eigenname kommt erst im vierzehntenJahrhundert vor, ohne Zweifel veranlasst durch das in grossemAnsehen stehende Gedicht, wie auf gleiche Weise ein Waltherder Vogelweid von Veitheim in einer Urkunde vom Jahr 1349(Haupts Zeitschrift 4, S. 578) erscheint. Dass Freidank, der Ur-sache hatte sich zu verbergen, zu seiner Zeit nur unter dem an-genommenen Namen bekannt war, zeigt eine kürzlich gefundeneStelle in den Colmarischen Annalen aus dem dreizehnten Jahrhun-dert (Haupts Zeitschr. 4, S. 573), Frydankus vagus fecit rithmostheutonicos gratiosos: woraus wir zugleich ersehen, dass er ein